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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s6.5.3

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s6.5.3

Language
German

v2.c16.s6.5.3

Und als göttliche Wesen werden auch zahllose Milliarden von Bodhisattvas — mit den »Vollkommenheiten« (Pāramitās) ausgestatteten Erleuchtungswesen, die aus Mitleid mit den Wesen darauf verzichteten, ins Nirvāṇa einzugehen — von den Mahāyānabuddhisten verehrt. Dazu kamen noch Hindugottheiten, namentlich aus dem Kreise des Śiva, die sich den Buddhas und Bodhisattvas zugesellten und mit diesen das buddhistische Pantheon füllten. Diese neu erstandene Mythologie, das neue Bodhisattva-Ideal und die viel stärker hervortretende Buddhaverehrung (Buddha-Bhakti) bilden zusammen die volkstümliche Seite des Mahāyāna. Sowie diese im Hīnayāna schon vorbereitet war, sich aber unter dem Einfluß des Hinduismus weiter entwickelte, so ist auch die philosophische Seite des Mahāyāna nur eine Weiterentwicklung von Hīnayānalehren unter dem Einflusse brahmanischer Philosophie. Der alte Buddhismus hatte das Ich geleugnet und in der Erkenntnis vom Nicht-Ich den Weg zum Nirvāṇa, zum Verlöschen des Ichs gesehen. Die Schulen des Mahāyāna gingen noch weiter und lehrten, daß es nicht nur kein Ich, sondern überhaupt nichts gebe, daß »alles leer« (sarvaṃ śūnyam), d. h. nichts sei; sie bekennen sich zu einem völligen Negativismus (śūnyavāda), der sowohl das Sein als auch das Nichtsein leugnet¹), oder zu einem idealistischen Negativismus (vijñānavāda), der wenigstens ein im Bewußtsein enthaltenes Sein anerkennt.