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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s7.10

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s7.10

Language
German

v2.c16.s7.10

Was Seydel mit unzulänglichen Mitteln — die buddhistische Litteratur war ja zu seiner Zeit noch sehr unvollständig bekannt — zu geben unternommen hatte, eine »buddhistisch-christliche Evangelienharmonie«, das hat später auf Grund viel genauerer Kenntnis der Pāli- und Sanskrittexte der Amerikaner Albert J. Edmunds² noch einmal versucht. Ihm ist es wohl, wie er ausdrücklich erklärt, nicht darum zu tun, die Abhängigkeit der christlichen von den buddhistischen heiligen Texten zu erweisen, sondern nur darum, die beiden Religionen einander vergleichend gegenüberzustellen, »damit sie einander besser verstehen lernen«. Immerhin neigt er zu der Ansicht, daß das Christentum als die mehr eklektische Religion vom Buddhismus entlehnt und daß namentlich Lukas ein Buddha-Epos gekannt habe. Aber gerade die von Edmunds gegebene umfassende Zusammenstellung aller nur halbwegs vergleichbaren Stellen in den beiden Litteraturkreisen zeigt aufs deutlichste, daß es keinen Fall gibt, wo eine Entlehnung von seiten der vier Evangelien angenommen werden müßte; daß in den meisten Fällen nur eine Ähnlichkeit der Gedanken besteht, die einen litterarischen Zusammenhang nicht voraussetzt; daß in den besten Fällen nur eine Möglichkeit gegenseitiger Beeinflussung zugestanden werden kann und diese Möglichkeit sich nur in ganz wenigen Fällen zur Wahrscheinlichkeit erhebt. Und gar oft zeigt gerade die Gegenüberstellung der Texte bei Edmunds, wie viel größer die Verschiedenheiten sind als die Übereinstimmungen¹).