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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s7.6

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s7.6

Language
German

v2.c16.s7.6

Es war insbesondere Rudolf Seydel¹, der so zahlreiche Übereinstimmungen zwischen dem Leben Jesu nach den Evangelien und der Buddhalegende nachweisen zu können glaubte, daß er die Hypothese aufstellte, die Evangelisten hätten neben einem »Ur-Matthäus« und einem »Ur-Markus« auch ein altes christliches, aber buddhistisch beeinflußtes poetisches Evangelium benutzt und diesem alle jene Legenden, Gleichnisse und Aussprüche entnommen, die in den buddhistischen Texten Entsprechungen haben. Diese Hypothese hielt er darum für notwendig, weil die Gleichungen (nach seiner Ansicht) nicht vereinzelt, sondern gehäuft erscheinen und förmliche Gruppen, ja ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Ein einzelner Stab, meinte er, lasse sich leicht zerbrechen, viel schwerer ein Bündel oder gar ein Bündel von Bündeln. Sehr schön! Wenn aber der Stab kein Stab, sondern nur ein Phantom von einem Stab ist, so nützt uns auch ein Bündel und ein Bündel von Bündeln solcher »Stäbe« nichts. In der Tat ist es nicht schwer zu zeigen und wiederholt gezeigt worden, daß die Mehrzahl der von Seydel angeführten »Gleichungen« einer genaueren Prüfung nicht standhält.