Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.1
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.1
- Language
- German
v2.c16.s8.1
Als Nebenbuhler und Gegner des Gotama Buddha wird in den buddhistischen Texten öfters der Nigaṇṭha Nātaputta genannt. Dieser ist niemand anderer als der unter dem Namen Mahāvīra, d. h. »der große Held«, bekannte und verehrte Heilige, Stifter oder Reformator der Sekte der Jainas, die sich aus der viel älteren Sekte der Nigaṇṭhas (d. h. der »Fessellosen«) unter Führung des Vardhamāna Mahāvīra wahrscheinlich kurz vor dem Auftreten Gotamas entwickelt hatte¹). Die Jainareligion hat so viel mit dem Buddhismus gemein, daß sie lange Zeit nur für eine buddhistische Sekte gehalten wurde. Sie unterscheidet sich aber doch in so wesentlichen Punkten scharf von der Religion des Buddha, daß sie als ein selbständiges Glaubensbekenntnis angesehen werden muß. Viel stärker als der Buddhismus betont der Jinismus²) die Askese und allerlei Kultübungen, und im Gegensatz zu Buddha lehrte Mahāvīra einen sehr ausgebildeten Seelenglauben. Was den beiden Religionen gemeinsam ist, ist nichts anderes als die von uns schon öfter gekennzeichnete altindische »Asketenmoral«, und auch die Berührungspunkte zwischen buddhistischer und jinistischer Litteratur sind eben diejenigen, die beide mit der allgemein indischen Asketendichtung gemein haben.