Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.t2.40
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s8.t2.40
- Language
- German
v2.c16.s8.t2.40
Das uns schon bekannte, weltweit verbreitete Märchen von dem Glückskind, das durch einen vertauschten Uriasbrief vom Untergang gerettet wird, begegnet uns bei den Jainas im Campakaśreṣṭhikathānaka, der »Geschichte vom Kaufmann Campaka«, von Jinakīrtisūri, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts schrieb⁴). Hier bildet sie die Rahmenerzählung für drei Schalterzählungen. Die erste von diesen ist das Märchen von König Rāvaṇa, der vergebens einer Schicksalsfügung trotzen will. Nicht ohne Humor ist die dritte Geschichte von dem Kaufherrn, der bis dahin alle betrogen hatte, aber schließlich selbst von einer Hetäre betrogen wird¹). Von demselben Verfasser stammt das Pālagopālakathānaka, die »Geschichte von Pāla und Gopāla«, eine fromme Jainalegende, in die allerlei wohlbekannte Novellen- und Märchenmotive (von den zwei Brüdern, die auf die Wanderung gehen und nach vielen Abenteuern zu Ehre und Ruhm gelangen; von den dankbaren und hilfreichen Tieren; von der Frau, die den keuschen Jüngling verführen will und, da es ihr nicht gelingt, ihn eines Angriffs auf ihre Ehre beschuldigt usw.) hineinverflochten sind²).