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Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s3.26

Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s3.26

Language
German

v3.c21.s3.26

Nicht wahrscheinlich ist es, daß es Hofdichter und eine höfische Kunstdichtung schon unter den Herrschern der Maurya-dynastie gegeben hat. Inwieweit Kauṭilyas Arthaśāstra die Verhältnisse am Hofe des Mauryakönigs Candragupta widerspiegelt, ist zweifelhaft. Die Tradition, die das Werk dem sagenhaften Minister des Candragupta zuschreibt, stimmt mit den Tatsachen der Geschichte nur wenig überein. Aber immerhin geht das Werk in ein ziemlich hohes Alter zurück, und es ist möglich, daß dessen älteste Elemente in die Mauryaperiode zurückreichen. Und da ist es jedenfalls bemerkenswert, daß im Arthaśāstra in einer großen Zahl von Hofangestellten zwar Paurāṇikas, Sūtas, Māgadhas und Kuśīlavas, also Chronisten, Barden, Sänger und Bühnenkünstler, genannt werden, aber von einem Hofdichter nicht die Rede ist. Die Lehrer und Gelehrten (ācāryā vidyāvantaś ca), die je nach ihrer Würdigkeit einen Ehrensold von 500 bis 1000 Paṇas bekommen¹), waren wohl nur hervorragende Brahmanen, die der König auszeichnen wollte, und nicht etwa Dichter, die »Kavi« genannt worden wären. Auch unter den litterarischen Werken, die in Kauṭilyas Arthaśāstra aufgezählt werden, wird nirgends ein Kāvya erwähnt. Dazu stimmt es denn auch, daß die Inschriften des Königs Aśoka in schlichtem und einfachem Stil geschrieben sind und keine Spur von dem Stil der Kunstdichtung zeigen. Es hätte gerade hier oft nahegelegen, die dichterische Form anzuwenden.

Cites (1)