Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s7.4
Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s7.4
- Language
- German
v3.c21.s7.4
Hiuen-Tsiang bezeugt, daß es zu seiner Zeit in jeder indischen Stadt Annalen gab. Noch heute haben Rajputs, Banias und Mewatis Annalen, die von Bhāṭas sorgfältig aufbewahrt werden¹). Die Inder haben Stammbäume in einer Weise, die bei uns unbekannt ist. Irgendwie hervorragende Personen, Dorfvorsteher und selbst gewöhnliche Bauern können einen Stammbaum aufweisen, der die weitest verzweigten Verwandtschaften oft auf zwei oder drei Jahrhunderte zurück nachweist und bei Entscheidung von Erbrechtsfragen von Wichtigkeit ist. Jedes Kloster (maṭha) bewahrt die Reihenfolge seiner Lehrhäupter sorgfältig auf. Sinn für Geschichte beweisen auch die kirchengeschichtlichen Werke der Buddhisten und der Jainas, die in Chroniken und Biographien das Leben ihrer Heiligen und die Geschichte ihrer religiösen Gemeinden festgehalten und, soweit sie es imstande waren, geschichtlich überliefert haben²). Geschichtlicher Sinn verrät sich endlich auch in den zahlreichen Inschriften, die uns aus allen Jahrhunderten von der Zeit des Aśoka angefangen erhalten sind, und die jedenfalls zeigen, daß auch die Inder einen Sinn für den Zusammenhang der Gegenwart mit der Vergangenheit und der Zukunft besaßen, und daß ihnen daran lag, die Geschichte ihrer Könige in Genealogien möglichst weit zurückzuführen und die Taten ihrer Herrscher für kommende Geschlechter auf Steinsäulen und Felsen, auf Tempeln und in Höhlen und auf Kupferplatten für künftige Zeiten festzuhalten.