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Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.103

Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.103

Language
German

v3.c21.s8.103

Sowie Hālas Sattasaī das Hauptwerk der Prākritliebeslyrik ist, so können wir das Amaruśataka als das Hauptwerk der erotischen Sanskritlyrik bezeichnen. Mit der Sattasaī hat das Amaruśataka auch das gemein, daß jede Einzelstrophe ein vollkommenes Werk für sich ist. Das gilt ja eigentlich für die ganze indische Lieder- und Spruchdichtung, selbst für Werke wie Meghadūta oder Ṛtusaṃhāra, wo ein Gedanke sich durch eine größere Reihe von Strophen hindurchzieht. Ganz besonders aber ist das in den Śatakas oder »Zenturien« der Fall, d. h. in den nach Hunderten gezählten Strophensammlungen, die in Indien so sehr beliebt waren¹). Wie die Liedstrophen der Sattasaī, sind auch die des Amaruśataka zum großen Teil Miniaturbildchen aus dem Liebesleben, freilich aus einer ganz anderen Umgebung, als die war, die wir in der Sattasaī kennen gelernt haben. Aber wie dort, so ist auch hier oft von Scheiden und Meiden, von Schmollen und Grollen die Rede, häufiger jedoch von zärtlicher Hingebung und glühenden Umarmungen. Amarus Lieder sind ja durch Übersetzungen ziemlich bekannt. Schon Friedrich Rückert hat »38 Liedchen von Amaru« übersetzt²), und sie haben auch später oft die Kunst der Übersetzer aus dem Sanskrit herausgefordert³). Hier muß eine kleine Auswahl genügen, um eine Vorstellung von dem Charakter dieser Dichtungen zu geben.

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