Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.112
Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.112
- Language
- German
v3.c21.s8.112
Das junge Weib; sie sieht den Gatten schlummern, Hebt leis' vom Lager sich empor, betrachtet Sein Antlitz lang, indessen er sich stellt, Als ob er schlafe; — und nun küßt sie leise Ihn einmal übers andre; — da gewahrt sie, Wie sich die Härchen auf der Wange ihm Vor Wonne sträuben, und von Scham erfüllt Senkt sich das Antlitz, da erhebt er sich Und lacht und küßt sie viele, viele Male.« »Zum ersten Male spricht ein kränkend Wort Der Gatte; da erfaßt ein heftig Zittern Des jungen Weibes Glieder, doch sie weiß Kein stechend Wort zu sagen — noch belehrte Sie keine Freundin über solchen Fall; Es irren angstvoll nur die Lotusaugen Umher, und auf die reinen Wangen stürzen Die hellen Tränen, und die Locken zittern.« »Sie furcht die Brauen, aber ach, das Auge Schweift doch voll Sehnsucht zum Geliebten hin; Sie schweigt und spricht kein Wort, doch ihr Gesicht, Obwohl betrübt, zeigt ein holdselig Lächeln; Sie sucht ihr Herz zu stählen, doch die Haut Am ganzen Körper fängt zu rieseln an; Sie sucht zu schmollen, doch, wenn den Geliebten Sie vor sich stehen sieht, — wie soll das enden?«