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Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.13

Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s8.13

Language
German

v3.c21.s8.13

In der Regel ist jede Strophe ein abgeschlossenes Ganzes, nur hier und da schließen sich zwei oder drei solcher Strophen zu einem Liede zusammen. In der knappsten Form, mit wenigen Worten wird eine Stimmung ausgedrückt, ein Leid geklagt oder die Wonne höchsten Liebesentzückens geschildert. Sehr häufig wird mit wenigen Strichen ein kleines Bildchen aus dem wirklichen Leben hingeworfen. Da hören wir die Worte einer liebenden Frau, die ihrem Liebesschmerz oder ihrer Sehnsucht Ausdruck gibt. Sie bittet den Mond, sie doch mit denselben Strahlenhänden zu berühren, mit denen er auch den in der Ferne weilenden Liebsten berührt hat. Wie in der gesamten indischen Liebeslyrik¹), so kehrt die Klage um den fernen Gatten oder Geliebten auch in diesen Liedern immer wieder; ebenso die Sehnsucht des Verreisten nach der in der Ferne weilenden Geliebten. So ruft ein Wandersmann der Wolke zu, sie möge nur über ihm donnern, so viel sie wolle, aber ja die Geliebte nicht töten. Eine Frau zählt an den Fingern der Hände und Füße, wie lange der Geliebte schon weg ist, und weint, weil kein Finger mehr da ist, weiterzuzählen. Eine junge Frau klagt: