Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.57
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.57
- Language
- German
v3.c22.s2.57
Mit Pāṇini, Kātyāyana und Patañjali ist für uns eigentlich die Geschichte der wissenschaftlichen Grammatik abgeschlossen. Denn von den Grammatikern, die ihnen voraus gingen, wissen wir nichts als die Namen. Śākaṭāyana und Āpiśāli werden sowohl von Pāṇini als auch von Patañjali zitiert. Der letztere erwähnt auch Vyāḍi, Vājapyāyana, Pauṣkarasādi, Goṇikāputra und Gonardīya¹). Die späteren indischen Grammatiker haben aber zu dem, was Pāṇini, Kātyāyana, Patañjali und deren Vorgänger geschaffen haben, nichts wesentlich Neues mehr hinzugefügt. Die einen begnügten sich damit, die Regeln des Pāṇini unter Benutzung der Vārttikas und des Mahābhāṣya für praktische Zwecke neu anzuordnen und zu kommentieren; andere versuchten, durch Änderungen im Wortlaut der Sūtras und in der Terminologie etwas wie ein neues System zu schaffen, wobei es ihnen aber nicht einfiel, die neuen sprachlichen Tatsachen, die in der Sanskritlitteratur zu beobachten gewesen wären, zu berücksichtigen. Für sie alle waren vielmehr die Regeln des Pāṇini etwas ein für allemal Gegebenes, das unbesehen hingenommen werden mußte. Sie schrieben nicht über die Grammatik des Sanskrit, sondern über die grammatischen Regeln des Pāṇini.