Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s3.11
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s3.11
- Language
- German
v3.c22.s3.11
Die älteren Wörterbücher sind uns nur in Bruchstücken erhalten. Sie waren weder alphabetisch, noch sonst irgendwie systematisch angeordnet. Ihre Worterklärungen waren sehr ausführlich. Während später möglichst viele Wörter in einen Vers gedrängt wurden, haben die alten Kośas gerne einen ganzen Vers zur Erklärung eines Wortes gebraucht. Wahrscheinlich das älteste Bruchstück eines Wörterbuches findet sich in acht Blättern der sogenannten »Weber-Manuskripte«³) aus Kaschgar in Zentralasien. Es sind Bruchstücke eines sehr altertümlichen synonymischen Wörterbuches, dessen Verfasser wahrscheinlich ein Buddhist war. Sonst kennen wir eine Anzahl alter Wörterbücher nur durch Zitate in Kommentaren. Ein Nānārthakośa wird schon in der Kāśikā zitiert. Zu den älteren Lexikographen gehören u. a. Kātyāyana (oder Kātya), dessen Nāmamālā oft zitiert wird, Vācaspati, der Verfasser eines Śabdārṇava, Vikramāditya, dem der Saṃsārāvarta zugeschrieben wird, und Vyāḍi, der Verfasser der Utpalinī, die besonders reichhaltig war und auch buddhistische Ausdrücke enthielt. So wie aber Pāṇini unter den Grammatikern alle seine Vorgänger verdrängt hat und alle seine Nachfolger an Berühmtheit überragt, so nimmt unter den Wörterbüchern das Nāmaliṅgānuśāsana (»Belehrung über die Nomina und ihr Geschlecht«) des Amarasiṃha, gewöhnlich nur Amarakośa¹), »Amaras Wörterbuch«, genannt, eine ähnliche Vorzugsstellung ein. Amarasiṃha war Buddhist; aber eine besondere Berücksichtigung des buddhistischen Wortschatzes findet sich in seinem Wörterbuch nicht. Über seine Zeit wissen wir nichts Sicheres. Daß er unter den »neun Edelsteinen« am Hofe des Königs Vikramāditya genannt wird, will nicht viel besagen. Es wurde schon erwähnt, daß er jünger als Kālidāsa sein muß, da er dessen Werke ausgezogen hat²). Da der Verfall des Buddhismus in Indien mit dem 8. Jahrhundert beginnt, können wir annehmen, daß der Buddhist Amarasiṃha zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert gelebt hat. Doch ist das ganz hypothetisch, und es ist nicht einmal sicher, daß der Amarakośa selbst unter den erhaltenen Wörterbüchern das älteste ist. Der Amarakośa ist ein synonymisches Wörterbuch, das aus drei Abschnitten besteht (weshalb es auch manchmal »Trikāṇḍī« genannt wird). Im 1. Abschnitt finden wir die Wörter für Himmel, Götter, Luftraum, Sterne, Zeitabschnitte, für Wort, Sprache, Schall, Musik, Tanz, für Unterwelt, Schlangen, Meer, Wasser, Insel, Schiff, Fluß, Wassertiere und Wasserpflanzen; im 2. Abschnitt die Wörter für Erde, Stadt, Berg, Wald, Bäume und Kräuter, Tiere, Mann, Frau, Verwandtschaftsgrade, Krankheiten, Körperteile, Kleidungsstücke, Schmucksachen, die vier Kasten und ihre Beschäftigungen. Der 3. Abschnitt enthält Eigenschaftswörter, vermischte Wörter und Nachträge über Homonyme, Indeclinabilia und über das Geschlecht der Nomina³). Ähnlich ist die Einteilung in den anderen synonymischen Wörterbüchern, nur daß der Stoff öfter auf mehr als drei Abschnitte verteilt ist. Zum Amarakośa hat es nicht weniger als 50 Kommentare gegeben, von denen aber nur wenige bekannt sind¹). Wichtig ist der Kommentar des Bhaṭṭa Kṣīrasvāmin, der wahrscheinlich im 11. Jahrhundert gelebt hat²). Ein sehr umfangreicher Kommentar, im Jahre 1431 geschrieben, ist der des Bṛhaspati Rāyamukuṭamaṇi, der selbst angibt, daß sein Kommentar ein Auszug aus 16 früheren Kommentaren sei, und der nicht weniger als 270 Werke und Schriftsteller zitiert.
Cites (5)
- Nāmaliṅgānuśāsana (Amarakośa) — Amarasiṃha, Sanskrit
- Nānārtha-kośa
- Saṃsārāvarta — Vyāḍi, Sanskrit
- Utpalinī (Vyāḍi) — Vyāḍi, Sanskrit
- Nāmamālā — Dhanañjaya, Sanskrit