Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s8.11
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s8.11
- Language
- German
v3.c22.s8.11
Buddhisten waren auch die Verfasser der ältesten datierbaren medizinischen Texte, die uns in dem Bower-Manuskript erhalten sind²). Dies ist eine alte indische Handschrift, die der englische Leutnant H. Bower im Jahre 1890 in einem buddhistischen Stūpa in Kutschā in Kaschgar (Chines. Turkestan) gefunden und R. Hoernle der Wissenschaft erschlossen hat. Aus paläographischen Gründen wird die Handschrift der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. zugeschrieben. Von den sieben Texten, die sie enthält, sind drei medizinischen Inhalts. Einer dieser Texte handelt über den Ursprung des Knoblauchs, der viele Krankheiten heilen und das Leben auf hundert Jahre verlängern soll, über die Verdauung, über ein Elixier für tausendjährige Lebensdauer, über die richtige Mischung von Ingredienzien, über stärkende Arzeneien, über Augenwasser, Augensalben usw. Ein zweites Fragment enthält 14 Arzeneiformeln zum äußeren und inneren Gebrauch. Das umfangreichste Stück ist das Nāvanītaka (»die Sahne«, d. h. ein Auszug aus dem Besten aller früheren Lehrbücher), das in 16 Abschnitten über Pulver, Dekokte, Öle, Klystiere, Elixiere, Aphrodisiaca, Kinderpflege, vermischte Rezepte usw. handelt. Da der Schluß des Werkes fehlt, ist uns auch der Name des Verfassers nicht erhalten. Alle diese Werke sind metrisch und zum Teil in Versmaßen der Kunstdichtung abgefaßt, wie das auch in späteren Rezeptsammlungen üblich ist. Die Rezepte machen aber einen durchaus altertümlichen Eindruck. Ihre Sprache ist ein mit Prākritizismen gemischtes Sanskrit. Im Nāvanītaka werden viele medizinische Autoritäten zitiert, insbesondere Agniveśa, Bheḍa, Hārīta, Jātūkarṇa, Kṣārapāṇi und Parāśara, die alle Schüler des Punarvasu Ātreya gewesen sein sollen, von uns bekannten Schriftstellern aber nur Suśruta¹).
Cites (3)
- Hāritasmṛti (Laghu- and Vṛddha-Hārīta) — Hārīta, Sanskrit
- Bower Manuscript — Sanskrit
- Agniveśasaṃhitā — Agniveśa, Sanskrit