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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s8.15

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s8.15

Language
German

v3.c22.s8.15

Die Caraka-Saṃhitā²) ist nach ihrer eigenen Angabe nicht ein Originalwerk, sondern nur eine Bearbeitung eines Tantra von Agniveśa, dem Schüler des Punarvasu Ātreya und dem Mitschüler des Bheḍa (oder Bhela). Zu der noch wenig bekannten Bheḍa-Saṃhitā³) steht die Caraka-Saṃhitā in enger Beziehung. Caraka soll nach dem chinesischen Tripiṭaka (übersetzt 472 n. Chr.) der Leibarzt des Königs Kaniṣka gewesen sein, dessen Gemahlin er bei einer Totgeburt Beistand geleistet habe⁴). An und für sich steht nichts im Wege, dieser Nachricht Glauben zu schenken und Caraka in die Zeit des Kaniṣka (also wahrscheinlich 2. Jahrhundert n. Chr.) zu setzen. Aber sichere Beweise dafür gibt es nicht. Hingegen ist es sicher, daß wir den Text der Caraka-Saṃhitā nicht in seiner ursprünglichen Form besitzen. Der Text ist überhaupt schlecht überliefert, und sowohl die Handschriften als auch die Ausgaben weichen stark voneinander ab. Etwa ein Drittel des Werkes ist von Dṛḍhabala, dem Sohn des Kapilabala, wahrscheinlich im 8. oder 9. Jahrhundert n. Chr. ergänzt worden. Dṛḍhabala hat sich aber damit nicht begnügt, sondern auch den Text der ganzen Saṃhitā revidiert und Zusätze gemacht¹). Doch ist der Grundstock des Werkes, das ähnlich wie das Kauṭilīya-Arthaśāstra in Prosa mit Versen am Ende eines jeden Kapitels abgefaßt ist, gewiß alt und wohl das älteste der uns erhaltenen medizinischen Lehrbücher.

Cites (4)