Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s8.45
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s8.45
- Language
- German
v3.c22.s8.45
Der Bengale Cakrapāṇidatta, den wir schon als Kommentator des Suśruta kennen und der überhaupt ein fruchtbarer medizinischer Schriftsteller war, ist der Verfasser des Cikitsāsārasaṃgraha⁵), eines großen Kompendiums der Therapie, das um 1060 geschrieben sein dürfte. Der Verfasser bezeichnet den Siddhiyoga, den er tatsächlich fast ganz abgeschrieben hat, als seine Hauptquelle. Im 11. oder 12. Jahrhundert schrieb Vaṅgasena, der Sohn des Gadādhara, ein umfangreiches Werk mit demselben Titel Cikitsāsārasaṃgraha¹), in welchem bei der Beschreibung der Krankheiten das Mādhavanidāna ganz abgeschrieben, aber auch Suśruta reichlich benutzt ist. Spätestens im 13. Jahrhundert ist die Śārṅgadharasaṃhitā von Śārṅgadhara verfaßt worden, da schon um 1300 Vopadeva einen Kommentar dazu geschrieben hat. Daß dies ein beliebtes und viel studiertes Lehrbuch der Therapie war, bezeugen die vielen Handschriften²). Opium und Quecksilberpräparate erscheinen in diesem Werk, in dem übrigens Vṛnda reichlich benutzt ist, schon unter den Heilmitteln, und bei der Diagnose wird das Pulsfühlen genau beschrieben, — Dinge, die in den älteren Werken nicht vorkommen und wahrscheinlich auf persischen oder arabischen Einfluß zurückgehen³). Der uns schon als Grammatiker bekannte Vopadeva, ein Sohn des Arztes Keśava in Berar und ein Schützling des Ministers Hemādri, ist auch der Verfasser einer Śataślokī, 100 Strophen über die Herstellung von Pulvern, Pillen u. dgl. mit einem Kommentar des Verfassers. In dieselbe Zeit gehört wahrscheinlich auch die Cikitsākalikā⁴) von Tīsaṭācārya, die schon im 14. Jahrhundert zitiert wird. Tīsaṭas Sohn Candraṭa, auch sonst als medizinischer Schriftsteller bekannt, hat einen Kommentar dazu geschrieben. Bis in die neueste Zeit hinein wurden immer wieder große und umfassende Lehrbücher der gesamten medizinischen Wissenschaft, wie auch Monographien über einzelne ihrer Gebiete verfaßt. Aus dem 16. Jahrhundert sei der Bhāvaprakāśa⁵) von Bhāvamiśra erwähnt, in dem schon die von den Portugiesen eingeschleppte Syphilis und die Sarsaparille als Mittel dagegen vorkommen. Im 17. Jahrhundert schrieb der uns als epischer Kunstdichter bekannte Lolimbarāja auch ein beliebtes Lehrbuch der Therapie, das Vaidyajīvana¹), in künstlichen Versmaßen.
Linked texts (7)
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit
- Śārṅgadharasaṃhitā — Śārṅgadhara (physician), Sanskrit
- Mādhavanidāna (Rugviniścaya) — Mādhavakara, Sanskrit
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit
- Vaidyajīvana — Lolimbarāja 1600, Sanskrit
- Cikitsāsārasaṅgraha (Vaṅgasena) — Vaṅgasena, Sanskrit
- Vaidyaśataślokī — Avadhāna Sarasvatī, Sanskrit