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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s8.56

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s8.56

Language
German

v3.c22.s8.56

Eine sehr umfangreiche Litteratur gibt es über den zur Zauberei und zur Alchimie absteigenden Zweig der Medizin, der sich mit der wunderbaren Heilkraft der rasa genannten metallischen Präparate beschäftigt. Als »Fürst der rasa« (rasendra, raseśvara) gilt das Quecksilberpräparat, das als ein Lebenselixier, ein Verjüngungsmittel und ein Allheilmittel gegen alle möglichen Leiden empfohlen wird. Da man aber das Quecksilber auch für ein Mittel zur Verwandlung unedler Metalle in Gold hielt, gehören die über rasa handelnden Werke auch in das Gebiet der Alchimie. Um 1030 lernte Albērūnī⁴) in Indien solche Rasāyana-Werke, wie er sie nennt, kennen. Etwa hundert Jahre vor seiner Zeit lebte ein berühmter Vertreter dieser Kunst, Nāgārjuna aus Daihak bei Somanāth, der ein großes, zusammenfassendes Werk über diesen Gegenstand schrieb¹). Albērūnī spricht mit großer Verachtung von dieser Pseudo-Wissenschaft und sagt, daß es am besten wäre, »wenn diese kostbare Wissenschaft vom Rasāyana an die äußersten Grenzen der Welt verbannt würde, wo sie für niemand erreichbar ist«. Im Sarvadarśanasaṃgraha wird im IX. Kapitel das »Quecksilber-system« (raseśvaradarśana) beschrieben: Die Anhänger dieses Systems sind Śivaiten, die an die Einheit der Seele mit Gott (Śiva) glauben, aber annehmen, daß die Erlösung bei Lebzeiten (jīvanmukti) von der Dauerhaftigkeit des Körpers abhänge, der durch den Gebrauch von Quecksilber gestärkt werden müsse. Und hier werden schon die Werke Rasārṇava, Rasahṛdaya und Raseśvarasiddhānta zitiert. Diese Werke müssen also mindestens um 1300 n. Chr. schon bestanden haben. Der Rasārṇava²), ein umfangreiches Werk von 18 Paṭalas in Versen, wird auch im Rasaratnākara des Nityanathā und im Rasendracintāmaṇi des Rāmacandra³) zitiert. Der Jaina Merutuṅga schrieb 1386 einen Kommentar zu einem Rasādhyāya. Der Rasaratnasamuccaya⁴) wird dem Vāgbhaṭa, Sohn des Siṃhagupta, in manchen Handschriften aber auch dem Nityanathā oder Aśvinīkumāra zugeschrieben⁵).

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