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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s9.23

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s9.23

Language
German

v3.c22.s9.23

Der Paitāmaha-Siddhānta gehört, wie schon erwähnt, noch in die »mittlere Periode«. Etwas weiter fortgeschritten in bezug auf die Kenntnis der Umläufe der Himmelskörper ist der Vāsiṣṭha-Siddhānta¹). Diesem steht nahe der Pauliśa-Siddhānta, wie wir ihn aus der Pañcasiddhāntikā kennen. Wir kennen aber auch einen Pauliśa-Siddhānta aus Zitaten bei Bhaṭṭotpala, dem Kommentator des Varāhamihira. Diese Zitate sind in Āryā-Versen, während wir einmal auch einen Śloka aus einem Mūla-Puliśa-Siddhānta zitiert finden. Es muß also verschiedene Rezensionen dieses Werkes gegeben haben. Albērūnī, der »Pulisa« und »Pulisa-Siddhānta« ungemein häufig zitiert, sagt, der Pulisa-Siddhānta heiße so von dem Griechen Paulisa aus der Stadt Saintra, die, wie er glaube, Alexandria sei²). In der Tat klingt der Name Pauliśa nicht indisch, und es liegt nahe, an Paulus Alexandrinus zu denken. Da wir aber von diesem nur ein astrologisches Handbuch kennen, während alle Bearbeitungen des Pauliśa-Siddhānta astronomische Werke sind, hält Thibaut einen Zusammenhang nicht für wahrscheinlich. Brahmagupta bekämpft die Lehren des Pauliśa-Siddhānta. Die deutlichsten Spuren griechischen Einflusses zeigt der Romaka-Siddhānta, den wir wieder nur aus der Pañcasiddhāntikā kennen. Die Länge des Jahres ist hier genau so berechnet, wie Hipparch und nach ihm Ptolemäus die Länge des tropischen Jahres berechneten. Er nimmt ein Yuga von 2850 Sonnenjahren an und weicht damit ganz von der alten Yuga-Tradition ab. Auch der Name des Buches hängt zweifellos mit »Rom« zusammen. Von dem alten Romaka-Siddhānta verschieden ist der wahrscheinlich erst nach Varāhamihira von Śrīṣeṇa bearbeitete und angeblich verbesserte Romaka-Siddhānta, von dem Brahmagupta sagt, daß er von Lāṭa, Āryabhaṭa und anderen so viel entlehnt habe, daß das ganze Werk »das Ansehen eines vielfach geflickten Gewandes annahm«¹). So entschieden griechisch die Lehren des älteren Romaka-Siddhānta aber auch sind, so weicht er doch in wesentlichen Punkten von der griechischen Astronomie ab. Noch bemerkenswerter ist es, daß der Romaka-Siddhānta von dem Sūrya Siddhānta, der doch auch griechischen Einfluß zeigt, ganz erheblich abweicht. Es müssen daher die beiden Siddhāntas auf verschiedene Quellen zurückgehen. Da der Sūrya-Siddhānta trotz mancher Übereinstimmungen mit der Astronomie des Ptolemaios (140 n. Chr.) doch auch wieder von dieser abweicht, läßt sich die Frage, wann und durch welche Werke der griechischen Astronomie die indische Wissenschaft beeinflußt worden ist, nicht mit Sicherheit beantworten²). Um so weniger ist dies der Fall, da wir auch über die Zeit der fünf Siddhāntas nicht mehr wissen, als daß sie für Varāhamihira in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts schon Texte von großer Autorität waren. Daraus folgt jedoch nur, daß sie in den ersten Jahrhunderten n. Chr. entstanden sein dürften. Da sie aber, wie wir gesehen haben, vielfach umgearbeitet worden sind und tatsächlich nur vom Sūrya-Siddhānta ein Text erhalten ist, wird die Datierung noch schwieriger³).

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