Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s9.72
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s9.72
- Language
- German
v3.c22.s9.72
Während der Teil des Jyotiḥśāstra, der sich mit der natürlichen Astrologie beschäftigt, zum größten Teil ein echtes Erzeugnis indischer Pseudowissenschaft ist, steht der vom Horoskop handelnde Zweig der Astrologie, der mit dem indischen Ausdruck Jātaka, d. h. »Nativität«, oder nach dem Griechischen Horā genannt wird, ganz unter dem Einfluß der griechischen Astrologie. Der Inhalt dieser Werke, in denen auch griechische Fachausdrücke vorkommen, entspricht ganz dem der griechischen Bücher über diesen Gegenstand. Auch diesem Zweig der Sternkunde hat Varāhamihira ein größeres Werk, das Bṛhajjātaka³), und ein kürzeres, das Laghujātaka¹), gewidmet, von denen das erstere am besten bekannt ist und am meisten studiert wird. Diese Werke beschäftigen sich damit, aus den Stellungen der Himmelskörper zur Zeit der Geburt eines Menschen Schlüsse auf seine Lebensschicksale zu ziehen. Wahrscheinlich ist diese »Wissenschaft« babylonischen Ursprungs und von den Griechen den anderen Völkern übermittelt worden. Wann sie von den Griechen zu den Indern gekommen ist, ist nicht ganz sicher. Jacobi hat nachzuweisen gesucht, daß die indische Astrologie, wie wir sie bei Varāhamihira kennen lernen, derjenigen Stufe der griechischen Astrologie entspricht, die wir bei Firmicus Maternus um die Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. finden²). Andererseits hat Varāhamihira nach seinen eigenen Angaben Texte benützt, die er als von alten Ṛṣis stammend bezeichnet, was doch auf ein höheres Alter dieser Wissenschaft in Indien hindeutet. Und Haraprasād Śāstrī³) hat in Nepal eine Handschrift eines Yavana-Jātaka gefunden, das von dem Griechen Yavaneśvara 169 n. Chr. aus dem Griechischen übersetzt und von Sphūrjidhvaja ein Jahrhundert später in Verse gebracht worden sein soll.
Cites (3)
- Vṛddhayavanajātaka — Mīnarāja, Sanskrit
- Bṛhajjātaka — Varāhamihira, Sanskrit
- Laghujātaka — Varāhamihira, Sanskrit