Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.20
Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.20
- Language
- German
v3.c23.20
Religiöse Lyrik enthält das dritte klassische Tamilwerk, das Tiruvāśakam oder »das heilige Wort«²) des Māṇikka-Vāśagar. Dieser war ein begeisterter Verehrer des Śiva und ein heftiger Gegner der Jainas und Buddhisten. Sein Vater war ein Brahmane am Hofe des Pāṇḍyafürsten Arimarttana, und er selbst wurde Minister des Königs, der wahrscheinlich im 8. oder 9. Jahrhundert in Madura regierte³). Im ganzen Tamillande werden Lieder aus dem Tiruvāśakam in jedem Śivatempel gesungen⁴). Die Tamulen sagen: »Wessen Herz nicht durch das Tiruvāśakam schmilzt, der muß ein Herz von Stein haben.« Und der christliche Missionar G. U. Pope bewundert die tiefe Religiosität dieser Lieder und vergleicht den Dichter mit dem Apostel Paulus und Franz von Assisi. Śiva ist für Māṇikka-Vāśagar ein persönlicher Gott; aber mit der in Indien so häufigen Mischung theistischer und pantheistischer Ideen singt er von ihm: »Du bist der Erste, du bist der Letzte. Du bist dieses ganze All.« Ein anderer berühmter šivaitischer Dichter, dessen Bild in südindischen Tempeln noch heute täglich verehrt wird, ist Tiru-Nāna-Sambandha¹).