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Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.48

Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.48

Language
German

v3.c23.48

Die früheste Litteratur in den indoarischen Volkssprachen Nordindiens² sind die poetischen Chroniken von Radschputana, in denen die heldenhaften Kämpfe der indischen Radschputen gegen die mohammedanischen Eroberer von zeitgenössischen Barden besungen werden. Die ältesten dieser Chroniken stammen aus dem 12. Jahrhundert. Aber sie haben ältere Quellen benutzt, von denen manche bis ins 9. Jahrhundert zurückgehen, und sie sind ein schlagender Beweis gegen die schon oben (S. 80 ff.) als unrichtig erwiesene Behauptung, daß den Indern der Sinn für Geschichte ganz abgehe. Von dem hohen dichterischen Wert dieser Chroniken, die zuweilen an die Heldendichtung des Mahābhārata erinnern, geben die Proben, die uns James Tod in den »Annals and Antiquities of Rājastban« (neue Ausgabe Oxford 1920) gegeben, eine Vorstellung. Die berühmteste dieser poetischen Chroniken ist das Epos Prithī Rāj Rāso³ von Cand Bardāī. Hier werden die Heldenkämpfe des Prithī Rāj von seinem Freund, dem Hofbarden Cand Bardāī, besungen. König und Barde wurden beide im Jahre 1193 im Kampfe gegen die Mohammedaner getötet. Diese Bardendichtung ist in Radschputana bis in die neueste Zeit hinein gepflegt worden.

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