Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.52
Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.52
- Language
- German
v3.c23.52
Am Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts¹) gründete Rāmānanda, ein Anhänger des Rāmānuja, eine neue Sekte, die den Weg zur Erlösung durch Gottesliebe (bhaktimārga) lehrte. Er hat zuerst mit aller Entschiedenheit erklärt, daß es für die Verehrer des Gottes Viṣṇu keine Kastenverschiedenheit gebe. Ein Jünger des Rāmānanda war der berühmte Weber Kabīr²) aus Benares, der nicht nur die Schranken zwischen den Kasten, sondern auch zwischen den Religionen und Sekten niederriß. Ihm war es gleich, ob er Gott als Allah oder als Rāma besang. Er nennt sich selbst »das Kind von Allah und von Rāma«. Von Geburt ein Mohammedaner, wurde er doch ein begeisterter Gottesverehrer im Sinne der Rāma-Bhakti. Äußerlichkeiten und Zeremonien der Hindus und der Mohammedaner waren ihm aber gleich verhaßt. Er war auch kein Fakir, kein Yogin und kein Asket, sondern ein schlichter Handwerker und Familienvater, der Gott in seinem Heime suchte. So singt er denn: