Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.79
Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.79
- Language
- German
v3.c23.79
Daß die Gottesliebe auch unter den Kṛṣṇaverehrern begeisterte Sänger gefunden hat, ist selbstverständlich. In Bihār sang um 1400 n. Chr. Vidyāpati Ṭhākur² im Maithilī-Dialekt von der Sehnsucht der Seele nach Gott in der Allegorie von der Liebe zwischen Rādhā und Kṛṣṇa. Ihren zartesten Ausdruck fand diese mystische Liebesdichtung in den Liedern der Mīrā Bāī (um 1420), der Sängerin von Mēwār im Westen von Hindustan. Sie schrieb einen Kommentar zum Gītagovinda und Lieder, die weit und breit in ihrem Heimatsland gesungen werden. Sie war eine Königstochter und heiratete einen König. Aber sie war ganz dem Dienst des Kṛṣṇa ergeben, und als sie — so erzählt die Legende — eines Tages vor dem Bild des Gottes Kṛṣṇa sang und mit Inbrunst nach seiner Liebe begehrte, da öffnete sich das Bild und schloß sich über sie, so daß sie von der Erde verschwand. Am Hofe des Kaisers Akbar lebte der blinde Sänger von Agra Sūr Dās (geboren 1483 n. Chr.), der das Bhāgavata-Purāṇa in die Volkssprache übertrug und dessen Sammlung von Hymnen, Sūr sāgar, 60 000 Verse umfassen soll. Über diese und viele andere Dichter und Heiligen des Kṛṣṇakultes erhalten wir reichen Aufschluß in der Bhakt Mālā, einer Sammlung von Heiligenlegenden, von Nābhādās³), der am Anfang des 17. Jahrhunderts lebte. Der Hauptsitz der Kṛṣṇaverehrung ist die Gegend um Mathurā, das Braj-Land, wo die Abenteuer des Kṛṣṇa sich abgespielt haben sollen, und der Dialekt dieser Gegend ist die Braj Bhāṣā, ein Dialekt des westlichen Hindī. In diesem Dialekt, in dem auch Mīrā Bāī gesungen hatte, schrieb Bihārī Lāl (um 1603—1663) die Sat'saī⁴), eine Sammlung von 700 Strophen, von denen die meisten die Liebe zwischen Rādhā und Kṛṣṇa besingen und die zugleich als Beispiele für die Figuren der Poetik dienen. Die Braj Bhāṣā-Übersetzung des X. Kapitels des Bhāgavata-Purāṇa hat zu Beginn des 19. Jahrhunderts Lallū Jī Lāl im Prem Sāgar¹), dem »Meer der Liebe«, in Hindī-Prosa übertragen und damit eine neue Litteratursprache geschaffen. Das Werk wurde im Jahre 1806 unter der Leitung von John Gilchrist begonnen und 1809 gedruckt.
Cites (6)
- Bhāgavatapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Gītagovinda — Jayadeva, Sanskrit
- Sūrsāgar — Sūrdās 1520, Braj Bhāṣā
- Satsaī — Dayārām, Gujarati
- Bhaktamāl — Nābhādās alias Nārāyaṇ Dās 1575, Hindi
- Prem Sāgar — Lallūjī Lāl 1778, Hindi