Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.95
Geschichte der indischen Litteratur v3.c23.95
- Language
- German
v3.c23.95
Seit Jahrhunderten sind epische und puranische Erzählungen durch bengalische Bearbeitungen — Übersetzungen kann man sie kaum nennen — zum Gemeingut des Volkes von Bengalen geworden. Die übertragenen Werke — insbesondere Rāmāyaṇa, Mahābhārata, Bhāgavata-Purāṇa, die Caṇḍī aus dem Mārkaṇḍeya-Purāṇa und die rührende Legende von Hariścandra und dem Ṛṣi Viśvāmitra aus demselben Purāṇa — wurden teils vorgelesen, teils aber, was noch mehr zu ihrer Verbreitung beitrug, von Berufssängern, den Mangal Gāyaks, in halbdramatischen Rezitationen zum Vortrag gebracht. Solche »Aufführungen«, wie man sie nennen kann, finden noch heute in den Dörfern Bengalens statt. Elf oder zwölf solcher Mangal Gāyaks bilden eine Truppe, an deren Spitze der Gāyan als Leiter oder Solist steht. Die Rezitation findet in einem offenen Hof oder im Freien statt. Der Gāyan steht in der Mitte, oft mit einer Krone auf dem Haupt und Schellen an den Füßen, während die übrigen im Halbkreis um ihn herumsitzen und einen Chor bilden. Er beginnt die Geschichte zu erzählen, indem er die Verse mit schauspielerischen Bewegungen singt, während die Schellen dazu erklingen. Hier und da wird der Vortrag durch eine moralische oder religiöse Auseinandersetzung unterbrochen. Den Abschluß bildet ein Gesang, in den der Chor mit einstimmt. Einem solchen »Schauspiel« folgen Hunderte und Tausende allabendlich oft mehrere Monate lang¹). Auch die Kathaks erzählen die Epen und Purāṇas in der Volkssprache. Dabei haben sie gewisse Klischees, poetische Beschreibungen der Götter (Śiva, Lakṣmī, Kṛṣṇa usw.), einer Stadt, eines Schlachtfelds, des Morgens, der Nacht usw., die oft sehr poetisch sind, und die sie auswendig gelernt haben, um sie in ihren Vortrag einzuflechten. Diese Klischees sind zwar in kunstvoller Prosa abgefaßt, werden aber dennoch von den Kathaks gesungen²). Seit dem 14. Jahrhundert gehört die bengalische Übersetzung des Rāmāyaṇa von Kṛttivāsa (geb. 1346 n. Chr.) zu den volkstümlichsten Büchern Bengalens. Die älteste bengalische Bearbeitung des Mahābhārata von Sañjaya soll aus derselben Zeit stammen. Aber die bekannteste bengalische Übersetzung des Mahābhārata ist die von Kāśīrām (um 1645). Zwischen 1473 und 1480 wurde das Bhāgavata-Purāṇa von Mālādhar Vasu ins Bengalische übertragen.
Linked texts (7)
- Bhāgavatapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Mārkaṇḍeyapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Viśvāmitrasmṛti — Sanskrit
- Mahābhārata — Vyāsa, Sanskrit
- Vālmīkirāmāyaṇa — Vālmīki, Sanskrit
- Hariścandra
- Caṇḍīmaṅgal (Abhayāmaṅgal) — Mukundarām Cakravartī 1555, Bengali