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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c10.s2.t3.14

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c10.s2.t3.14

Language
German

c10.s2.t3.14

Daß viele Asketen nicht den Anforderungen entsprechen, welche an sie gestellt werden müßten, erklärt sich oft schon durch die Umstände, welche sie zum Eintritt in die geistliche Laufbahn veranlaßten. Eigentlich sollen nur diejenigen Mönche werden, die der Erlösung zustreben und dem Wirrsal des Sansâra entrinnen wollen. In der Praxis nehmen naturgemäß auch Personen die Weihen, welche sich nicht von so reinen Beweggründen leiten lassen, Leute, die das Mönchtum als eine bequeme Versorgung betrachten, die ihnen die Möglichkeit gibt, verhältnismäßig angenehm ohne große Mühe und Arbeit zu leben. Die Asketenorden rekrutieren sich nun aber nicht nur aus Freiwilligen, da diese nicht ausreichen würden, um das Bedürfnis nach Seelsorgern zu decken. „Man sorgt deshalb für den nötigen Nachwuchs gewöhnlich dadurch, daß die reicheren Gemeindemitglieder Knaben noch im zartesten Alter von ihren Eltern kaufen und den Yatis zur Erziehung übergeben. Mit Vorliebe nimmt man die unehelichen Kinder brahmanischer Witwen, die natürlich billig zu haben sind und bei denen man, da meist auch die Väter der gebildetsten Kaste Indiens angehören, günstige Geistesanlagen voraussetzen darf. Indessen kommt es auch nicht selten vor, daß, besonders zur Zeit von Teuerung, Kinder armer Brahmanen oder Vâniàs (Kaufleute) gekauft werden. In einzelnen Fällen sind auch die Yatis selbst tätig und sichern sich Nachfolger, indem sie verlassene Waisen bei sich aufnehmen oder sich Kinder ihrer Glaubensgenossen, an denen sie Gefallen finden, erbetteln.“64 Daß Personen, die, ohne selbst je einen inneren Drang nach dem Mönchsleben verspürt zu haben, zu Asketen gemacht wurden, die Vorschriften sehr genau beobachten, kann billig niemand erwarten; es ist daher nicht verwunderlich, daß durch das Umsichgreifen der Übung, Kinder zu Mönchen zu erziehen, ein Verfall des alten Asketentums eintreten mußte.