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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c11.s1.t2.2

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c11.s1.t2.2

Language
German

c11.s1.t2.2

Im Christentum und in anderen Religionen ist das Gebet die einfachste und am häufigsten in Anwendung gebrachte Form der Andacht. In ihm hält der Gläubige Zwiesprache mit dem Gott, dem er seine Verehrung weiht, er preist ihn und erzeigt ihm seine Liebe und Ergebenheit, trägt ihm seine Leiden vor und erhofft von ihm Erlösung und Rettung oder eine gnädige Erfüllung von Wünschen der verschiedensten Art. Im rechtgläubigen Jainatum hat das Gebet hingegen keine Stätte; da der Jaina nicht an einen Tîrthankara als an einen weltregierenden Gott glaubt, kann er ihn nicht anrufen und von ihm keine Einwirkung auf sein Leben und auf den Weltlauf erwarten. Aus diesem Grunde kann im Jainismus von einem Gebet streng genommen nicht die Rede sein, der Jina-Verehrer kann sich vielmehr nur darauf beschränken, die in fleckenloser Reinheit erstrahlenden Arhats in Liedern und Sprüchen zu feiern, und sich bemühen, ihnen nachzueifern. Wie schon bemerkt wurde, ist dies aber im populären Jainismus vielfach nicht eingehalten worden.