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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c11.s2.t4: IV. Die Festtage

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c11.s2.t4

Language
German

IV. Die Festtage

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Das heiligste Fest der Jainas ist das Paryushana (die „Regenzeit“), so genannt, weil es nach der Vorschrift Mahâvîras 76 beginnen sollte, wenn ein Monat und zwanzig Tage von der Regenzeit verstrichen sind, zu einem Zeitpunkt also, zu welchem Mönche und Laien Zeit haben, sich ihren religiösen Pflichten zu widmen. Bei den heutigen Shvetâmbaras beginnt es gewöhnlich am 12. Tage der dunklen Hälfte des Monats Shrâvana (Juli-August) und endet mit dem 4. Tage der hellen Hälfte des Monats Bhâdrapada (August-September). Bei den Digambaras dauert es 15 Tage, vom 5. Tage der hellen bis zum 5. Tage der dunklen Hälfte des Bhâdrapada, doch werden auch 70 Tage (bis zum 14. der hellen Hälfte von Kârttika) als die heilige Zeit angesehen 77. Das Fest wird in erster Linie durch Fasten begangen. Die Shvetâmbaras sollen eigentlich die ganzen acht Tage lang fasten, doch wird dieses Gebot häufig nicht streng durchgeführt, sondern manche fasten nur einen Tag um den anderen; alle enthalten sich am letzten Tage der Speise und des Trankes. Besonders wird an diesem Tage die Einhaltung des Poshadha-Gelübdes (s. S. 203) zur Pflicht gemacht, welches den Laien ganz als Mönch leben läßt. Die, welche Poshadha beobachten, bleiben 24 Stunden in Meditation oder Studium versunken im Upâshraya oder in der Einsamkeit. Während der heiligen Woche ruht bei allen die Arbeit, und alles strömt in die Gemeindehäuser, wo Predigten gehalten und heilige Schriften verlesen werden, bei den Shvetâmbaras namentlich das Kalpa-Sûtra. Der 5. Tag wird von den Shvetâmbaras als das konventionelle Geburtsfest Mahâvîras durch eine Prozession gefeiert. (Die Geburt Mahâvîras soll in Wirklichkeit am 13. Tage der hellen Hälfte des Monats Caitra stattgefunden haben.) Samvatsari, der letzte Tag des Paryushana und zugleich der letzte Tag des Kirchenjahres der Jainas, wird durch eine große Beichte begangen, die bezweckt, daß keine Sünde in das neue Jahr herübergenommen wird. Jeder Jaina soll sich an diesem Tage mit allen, mit denen er Streitigkeiten hatte, versöhnen. Da dieses vielfach mündlich nicht möglich ist, pflegen die Jainas an ihre in der Ferne weilenden Bekannten Briefe zu schreiben und von ihnen Verzeihung für den Verdruß zu erbitten, den sie ihnen absichtlich oder unabsichtlich verursacht zu haben glauben (vgl. S. 133).

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Nächst dem Paryushana ist das bedeutendste der den Jainas speziell eigentümlichen Feste die Siddha-cakra-pûjâ, die Verehrung des Heiligenrades. Dieselbe findet zweimal im Jahre, im Monat Caitra (März—April) und Âshvina (September—Oktober) statt und dauert 9 Tage, vom 7. bis zum Vollmondstag. Während derselben wird das Siddha-cakra im Tempel durch feierliche Zeremonien verehrt. An einem dieser Tage wird das Rad nach einem Teich gebracht und dort gebadet (Jalayâtrâ). Besondere Arten von Fasten sind bei diesem Fest zu beobachten 78.

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Von anderen Festen seien genannt: Shruta-pancamî am 5. hellen Tage des Monats Jyeshtha (Mai—Juni), wird von den Digambaras zur Erinnerung an den Tag begangen, an welchem Kundakunda seine kanonische Darstellung der Jaina-Lehre zu schreiben anfing79. Jnâna-pancamî am 5. hellen Tage von Kârttika (Oktober—November) ist dem heiligen Wissen geweiht; an diesem Tage werden die heiligen Schriften verehrt und von Staub und Insekten befreit. Mauna Ekâdashî, am 11. hellen Tage von Mârgashîrsha (November—Dezember) wird mit Meditation und Einhaltung eines Schweige-Gelübdes begangen. Der Tag ist mit der Lebensgeschichte mehrerer Tîrthankaras verknüpft. Der 14. helle Tag von Âshâdha (Juni—Juli) bezeichnet den Anfang, der 15. helle Tag von Kârttika (Oktober—November) das Ende der Regenzeit, des Caturmâsya. An allen Vollmondstagen wird ebenfalls gefastet, und fromme Jainas fasten mehr oder weniger streng an 5—12 Tagen jeden Monats 80.

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Eine ganze Anzahl von Tagen sind der Erinnerung an Ereignisse im Leben Âdinâths, Pârshvas und anderer Tirthankaras geweiht und werden entsprechend gefeiert.

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Unter den Festen, welche den Jainas mit den Hindus gemeinsam sind, ist das bedeutendste die Divâlî am 15. dunklen Tage des Monats Kârttika (Oktober—November). Bei den Hindus wird die Divâlî durch große Illuminationen der Häuser und Straßen zu Ehren der Glücksgöttin Lakshmî begangen. Die Jainas feiern sie zur Erinnerung an das Nirvâna Mahâvîras; sollen doch die Könige, welche ihn anhingen, in der Nacht, in der er starb, eine große allgemeine Illumination veranstaltet haben81. In den Tempeln werden an diesem Tage Süßigkeiten, die sog. „Laddu“ dargebracht, und Wallfahrten nach Pâvâ gelten an ihm als besonders heilbringend. Unter dem Einfluß der hinduistischen Sitten wird das Fest jedoch von den meisten Jainas mehr als ein dem Glück und dem Reichtum gewidmetes begangen als eines, das dem Gedenken an einen in die Erlösung eingegangenen Heiligen geweiht ist. An den beiden Tagen, welche dem Neumondstag vorhergehen, werden besondere Riten vollzogen; am ersten putzen die Frauen ihr Geschmeide zu Ehren Lakshmîs, und am zweiten legen sie Süßigkeiten an Kreuzwegen nieder, zum Schutz gegen die Geister. Am eigentlichen Festtage aber wird das Rechnungsbuch zum Gegenstand eines Kultus gemacht. Zu diesem Zweck wird in dieses von einem Brahmanen das Wort „Shri“ hineingeschrieben, dann wird eine Münze und das Blatt einer Schlingpflanze auf dieses gelegt, und ein Lämpchen wird zu seinen Ehren geschwungen. Zum Schluß wird es mit einem roten Pulver bespritzt, worauf der Brahmane und der Jaina Süßigkeiten verzehren. Das Buch bleibt dann einige Stunden geöffnet liegen; wenn es geschlossen wird, wird gesprochen: „Laksha-lâbha, laksha-lâbha“, d. h. (möge es einen) hunderttausendfältigen Gewinn (bringen)!

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Noch einige andere Hindu-Feste haben die Jainas in anderer Bedeutung übernommen. So ist bei ihnen die Ganesha-caturthî, der Geburtstag des elefantönköpfigen Gottes des Wohlstandes am 4. Tag der hellen Hälfte des Bhâdrapada (August—September) dem Gautama als dem Herrn der Ganas, also dem Hauptschüler Mahâvîras heilig, und die 9 Tage vor dem Dashaharâ-Feste im Monat Âshvina (September—Oktober) sind dem Bharata geweiht 82.

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Eine Anzahl von Festtagen feiern die Jainas hinduistischen Bräuchen entsprechend, obwohl diese im Jaina-Glauben keine Stütze haben, so das Holî-Fest im Frühjahr, das Fest der Pockengöttin Shîtalâ u. a. m.

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