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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c11.s2.t4.5

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c11.s2.t4.5

Language
German

c11.s2.t4.5

Unter den Festen, welche den Jainas mit den Hindus gemeinsam sind, ist das bedeutendste die Divâlî am 15. dunklen Tage des Monats Kârttika (Oktober—November). Bei den Hindus wird die Divâlî durch große Illuminationen der Häuser und Straßen zu Ehren der Glücksgöttin Lakshmî begangen. Die Jainas feiern sie zur Erinnerung an das Nirvâna Mahâvîras; sollen doch die Könige, welche ihn anhingen, in der Nacht, in der er starb, eine große allgemeine Illumination veranstaltet haben81. In den Tempeln werden an diesem Tage Süßigkeiten, die sog. „Laddu“ dargebracht, und Wallfahrten nach Pâvâ gelten an ihm als besonders heilbringend. Unter dem Einfluß der hinduistischen Sitten wird das Fest jedoch von den meisten Jainas mehr als ein dem Glück und dem Reichtum gewidmetes begangen als eines, das dem Gedenken an einen in die Erlösung eingegangenen Heiligen geweiht ist. An den beiden Tagen, welche dem Neumondstag vorhergehen, werden besondere Riten vollzogen; am ersten putzen die Frauen ihr Geschmeide zu Ehren Lakshmîs, und am zweiten legen sie Süßigkeiten an Kreuzwegen nieder, zum Schutz gegen die Geister. Am eigentlichen Festtage aber wird das Rechnungsbuch zum Gegenstand eines Kultus gemacht. Zu diesem Zweck wird in dieses von einem Brahmanen das Wort „Shri“ hineingeschrieben, dann wird eine Münze und das Blatt einer Schlingpflanze auf dieses gelegt, und ein Lämpchen wird zu seinen Ehren geschwungen. Zum Schluß wird es mit einem roten Pulver bespritzt, worauf der Brahmane und der Jaina Süßigkeiten verzehren. Das Buch bleibt dann einige Stunden geöffnet liegen; wenn es geschlossen wird, wird gesprochen: „Laksha-lâbha, laksha-lâbha“, d. h. (möge es einen) hunderttausendfältigen Gewinn (bringen)!