Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c6.9
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c6.9
- Language
- German
c6.9
Trotz der Ausbreitung, welche die Kenntnis der Geschichte und Literatur der Jainas durch die Arbeit einer Reihe von Gelehrten erfahren hatte, blieb das eigentliche Herz des Jainatums, seine Lehre, noch lange dem Abendlande in seinem wahren Wesen verschlossen. Diese eigentümliche Erscheinung findet ihre Erklärung einmal in der Tatsache, daß bei den meisten Forschern das antiquarisch-philologische Interesse das philosophisch-kulturelle bei weitem überwog, und sodann vor allem in dem Umstande, daß die ersten Jainologen ihre Kenntnisse von der Lehre teils aus gegnerischen brahmanischen Schriften, teils aus den kanonischen Jaina-Werken gewinnen wollten — ein Unternehmen, das bei der Ungenauigkeit der ersteren und dem unsystematischen Charakter der letzteren gleicherweise von selbst zur Erfolglosigkeit verdammt war. Es bedeutete daher einen epochemachenden Fortschritt, als H. Jacobi 1906 dazu überging, eine systematische Jaina-Dogmatik aus späterer Zeit, Umâsvâtis Tattvârthâdhigama-Sûtra zu übersetzen. Diese Arbeit ermöglichte zum ersten Male einen klaren und vollständigen Überblick über das Gesamtgebiet der Jainalehre und eröffnete dadurch das Verständnis für viele wichtige Einzelheiten, die bisher dunkel geblieben waren. Jacobis Arbeit ist von seinen Schülern in den verschiedensten Richtungen fortgesetzt worden.
Linked texts (1)
- Tattvārthasūtra — Umāsvāti, Sanskrit