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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s6.4

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s6.4

Language
German

c7.s6.4

Zuerst Geistliche, seit dem letzten Menschenalter auch Laien haben sich bemüht, den Niedergang des Jainatums zu hemmen. Unter den Shvetâmbara-Mönchen war in dieser Hinsicht besonders tätig der dem oben erwähnten Yashovijaya nacheifernde Meister Vijayânanda Sûri, bekannter unter dem Namen Âtmârâmjî (1837—1897), der nicht nur in seinem Orden eine mustergültige strenge Zucht wiederherstellte, sondern zugleich durch eine ausgedehnte publizistische Tätigkeit (er schrieb auch viele Werke in volkstümlichem Stil) die Jainalehre weiteren Kreisen nahebrachte. In unseren Tagen war der Meister Vijaya Dharma Sûri (1868—1922) in erfolgreicher Weise für die Verbreitung der Jaina-Lehre wirksam. Dieser hervorragende Mann, der als Laie Mûlacandra hieß und aus Mahuvâ in Kathiâvâr stammte, war im Alter von 19 Jahren von dem Meister Vriddhicandra durch eine Predigt dem Mönchsleben gewonnen worden. Vermöge seines Fleißes und seiner Geistesgaben überflügelte der Jüngling, der auf der Schule die Verzweiflung seiner Eltern und Lehrer gewesen war, bald alle seine Genossen. Barfüßig und barhäuptig durchzog er Kathiâvâr, Gujarât, Râjputânâ, in Städten und Dörfern predigend und den rechten Glauben wiederherstellend. In Benares, der Hochburg des orthodoxen Hindutums, gelang es ihm, den Haß, den die Brahmanen gegen die Jainas als Häretiker hegen, zu überwinden und eine Jaina-Schule und Bibliothek zu gründen. Nachdem er dann Bihâr und Bengalen besucht, kehrte er 1911 nach Gujarât zurück und stiftete in Pâlitânâ eine Schule, genannt Yashovijaya Jaina Gurukula. Auf einer weiteren Reise, die ihn durch die Vereinigten Provinzen und Râjputânâ führte, veranstaltete er in Jodhpur die erste Jaina-Literatur-Konferenz. Unermüdlich im Interesse seiner Bestrebungen tätig, starb er im September 1922. Vijaya Dharma Sûris Arbeit war jedoch nicht nur eine praktische und organisatorische, sondern auch eine literarische. Er schrieb eine große Zahl von Werken in Sanskrit, Gujarâtî und Hindî, welche eine klare und übersichtliche Darstellung der Jaina-Philosophie und Ethik geben. Des weiteren edierte er eine Reihe von Texten und Inschriften, die seine bedeutenden historischen und archäologischen Kenntnisse und seinen kritischen Scharfsinn bezeugen. Um die Wissenschaft erwarb er sich große Verdienste auch durch die von ihm begonnene und in die Wege geleitete Herausgabe einer Serie von Sanskrit- und Prâkrit-Werken, die dadurch der Vergessenheit entrissen wurden, der „Yashovijaya Jaina Granthamâlâ“ und einer Sammlung von historischen Legenden („Aitihâsika Râsa Sangraha“). Er stand mit fast allen indischen und europäischen Jainologen in regem Briefwechsel und unterstützte ihre Studien durch Ratschläge und Übersendung von Büchern und Handschriften; auch der Verfasser des vorliegenden Buches ist ihm für viele Freundlichkeiten zu großem Dank verpflichtet. Die Lebensarbeit des hervorragenden Mannes, welcher durch eine Krankheit ein zu frühes Ende gesetzt war, wird jetzt von seinem Schüler und Nachfolger, dem Âcârya Vijaya Indra Sûri in seinem Geiste fortgesetzt⁶².