Pramāṇa · Search · About · API

Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s1.t1.4

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s1.t1.4

Language
German

c8.s1.t1.4

Um den Kanon neu zu sammeln, wurde nach der Überlieferung der Shvetâmbaras um 300 v. Chr. in Pâtaliputra ein Konzil einberufen (vgl. S. 38). Bei diesem stellte sich heraus, daß die letzte der großen heiligen Schriften, das sog. 12. Anga, welches die 14 Pûrva genannten Werke umfaßte, nicht mehr in authentischer Überlieferung vorlag. Da dieses dem abwesenden Bhadrabâhu völlig bekannt war, sandte die Gemeinde zwei Mönche zu ihm, die ihn veranlassen sollten, beim Konzil zu erscheinen. Bhadrabâhu, der sich damals in Nepâl aufhielt, woselbst er ein zwölfjähriges Bußgelübde zur Ausführung brachte, erklärte sich außerstande, nach Pâtaliputra zu kommen, war aber bereit, an Ort und Stelle Schüler in den Pûrvas zu unterrichten. Sthûlabhadra wurde deshalb mit 500 Mönchen damit beauftragt, von ihm die Pûrvas zu erlernen. Während sich seine Begleiter hierfür als ungeeignet erwiesen, hörte Sthûlabhadra bei Bhadrabâhu alle 14 Pûrvas; dies kam der Gemeinde jedoch nur teilweise zugute, weil der Heilige von ihm verlangte, daß er die letzten vier Pûrvas niemandem mitteile. So blieb denn der Kanon trotz aller aufgewandten Mühe fortan unvollständig. In dieser unvollkommenen Gestalt überdauerte er sieben Lehrergenerationen nach Sthûlabhadra, dann kam die Kenntnis der 10 Pûrvas ganz abhanden. Die übrigen heiligen Werke aber blieben erhalten und wurden schließlich auf dem Konzil von Valabhî im Jahre 980 nach Vîra unter der Leitung von Devarddhi neu redigiert und erstmalig schriftlich fixiert (bis dahin sollen alle heiligen „Schriften“ nur mündlich vom Lehrer auf den Schüler übermittelt worden sein). Das Konzil von Mathurâ soll dann (993 nach Vîra?) unter Skandila eine Schlußrevision vorgenommen haben³. Der Kanon der heutigen Shvetâmbaras ist nach ihrer Meinung das Corpus von Werken, das damals festgesetzt wurde.

Cites (2)