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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t1.4

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t1.4

Language
German

c8.s2.t1.4

Ein bedeutender Shvetâmbara-Theologe nach Umâsvâti war Siddhasena Divâkara. Von diesem Kirchenlehrer, der ein Zeitgenosse des großen Vikramâditya (vgl. S. 43) gewesen sein soll, der aber wahrscheinlich nach 650 n. Chr. geblüht hat, wissen die Jainas viel Wunderbares zu erzählen. Nach ihren Berichten war Divâkara ursprünglich ein gelehrter Brahmane, der von dem Jaina Vriddhavâdî in einem Redekampf besiegt worden war und sich zum Jainaglauben bekehrt hatte, bei welcher Gelegenheit er den Namen Siddhasena annahm. Einst entwickelte er seinem Lehrer den Plan, alle Jainawerke aus dem Prâkrit in das Sanskrit zu übersetzen; zur Strafe für diese Sünde legte ihm der Meister die Buße auf, alle vorhandenen Jainatempel zu besuchen. Als er diesen Auftrag zwölf Jahre lang getreulich ausgeführt hatte, kam er einst zu dem Linga-Tempel in Ujjain; anstatt das Linga zu verehren, legte er sich jedoch im Tempel nieder, wobei er seine Füße gegen das heilige Symbol Shivas lehnte. Als die Shivaverehrer dies sahen, riefen sie den König Vikramâditya herbei, der den Weisen zur Strafe für sein ungebührliches Verhalten schlagen ließ. Allein kaum war der erste Schlag gefallen, so ertönten Schreie aus dem Harem des Königs, und es stellte sich heraus, daß der Heilige es durch seine Wunderkraft bewirkt hatte, daß nicht er, sondern die Lieblingsgattin des Königs die Schläge empfing. Siddhasena wurde daraufhin freigelassen; als er seine Hand gegen das Linga erhob, brach dieses entzwei, und ein Licht erstrahlte aus ihm, in welchem die majestätische Gestalt Pârshvas sichtbar wurde²¹.