Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t2.12
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t2.12
- Language
- German
c8.s2.t2.12
Als einer der beliebtesten Epenstoffe ist die Geschichte von Jîvaka (Jivandhara) anzusehen. Derselbe ist wiederholt in Sanskrit bearbeitet worden, so in Gunabhadras Uttarapurâna, das dem 9. nachchr. Jahrhundert entstammt. Am berühmtesten ist aber die kunstvolle Tamil-Fassung, die dem Tiruttakadevar (Sanskrit: Shrîdakshadeva) zugeschrieben wird, der im 10. oder 11. Jahrh. lebte. Über die Entstehung der letzteren weiß die Legende folgendes zu berichten. Tiruttakadevar war Mitglied der berühmten Akademie von Madurâ. Seine Kollegen bemängelten an ihm, daß er mit dem Kâmashâstra (der wissenschaftlichen Erotik) nicht vertraut sei. Er erklärte darauf, er habe zwar bisher noch nichts Erotisches geschrieben, sei aber durchaus in der Lage, dies zu tun, und erbot sich, ein Werk zu schaffen, das Liebe und Lebensgenuß erschöpfend darstelle. Er schrieb dann den „Jîvakacintâmani“, in welchem in 18 Gesängen acht Heiraten Jîvakas, eine Heirat eines Freundes von Jîvaka sowie die allegorische Vermählung des Helden mit Wissenschaft, Erde, Glück und Erlösung behandelt werden. Ein Lästerer behauptete, nachdem er das fertiggestellte Werk kennen gelernt hatte, Tiruttakadevar müsse ein Wüstling gewesen sein und große Erfahrungen auf erotischem Gebiete gesammelt haben, weil er die Liebe so lebenswahr zu schildern wisse. Der Dichter aber, der sein ganzes Leben hindurch keusch gelebt hatte, verteidigte sich gegen diesen Angriff, und zur Beteuerung seiner Unschuld nahm er eine glühende Eisenkugel in die Hand, indem er sagte: „Möge mich diese verbrennen, wenn ich nicht rein bin.“ Der Verlauf des Ordals bezeugte die Richtigkeit der Behauptung: das Feuer konnte dem Mönch nichts anhaben, so daß er glänzend gerechtfertigt dastand.
Linked texts (1)
- Cīvaka Cintāmaṇi — Tiruttakkatēvar, Tamil