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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t2.27

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t2.27

Language
German

c8.s2.t2.27

Die andere Strophensammlung, die hier zu nennen ist, ist das Vajjâlagga des Shvetâmbara Jayavallabha (Zeit noch unbekannt, jedenfalls vor 1336). Das Vajjâlagga ist insofern umfassender als Hâlas Werk, als es sich nicht hauptsächlich auf die Schilderung der Liebe beschränkt, sondern alle drei Lebensziele, also auch Dharma (Pflicht, Religion) und Artha (Nutzen, Lebensklugheit) darstellt. Der Inhalt ist außerordentlich vielseitig: „Ein interessantes Stück Kulturgeschichte zieht an unserem Auge vorüber; zuerst werden wir bekannt gemacht mit den sittlichen Lebensanschauungen der Inder, ihrem Ideal eines guten Menschen, dem der Bösewicht als etwas Verächtliches gegenübergestellt wird. Treue Freundschaft und guter Lebenswandel finden den Beifall des Dichters, er rühmt Standhaftigkeit und herzhafte Entschlossenheit; begeisterte Verse sind dem tatkräftigen Menschen gewidmet. Der äußere Erfolg aber ist vom Schicksal abhängig. Und damit wird eingeführt das zweite Lebensziel des Menschen: Artha. Die Leiden der Armen werden in bitterer Ironie geschildert; Herr ist der eine, Diener der andere, so sagen weitere Verse, herrlich aber der, der die Sache seines Herren verficht und als mutiger Soldat auf dem Schlachtfelde seinen Tod findet. Zwei Drittel des Vajjālagga beschäftigen sich mit Kāma. Die Liebe von ihren zartesten Anfängen an bis zur wilden Leidenschaft wird in den Versen besungen, der heiße bittere Trennungsschmerz ebenso wie das Schmollen der Geliebten. Mögen die Verse reden von den Bienen, die den Honig aus den Knospen der Blumen saugen, oder den Elefanten, die ihre Freiheit in der Gefangenschaft fern von der Herde verloren, vom Hansa (d. h. Königsgans) oder vom blühenden Jasmin, es sind nur Bilder; ihr eigentlicher versteckter Sinn ist die Liebe des Mannes zum Weibe. Der Inder, der in sexuellen Dingen harmloser, naiver denkt als ein Europäer, wird sich nicht gewundert haben, daß Verse folgen, die die Anomalien des Liebeslebens mit einer uns erschreckenden Deutlichkeit ausführen. In diesem Zusammenhang darf natürlich das Hetärenwesen nicht fehlen. Mit den Schilderungen der anmutigen Spiele Krishnas mit den Hirtinnen lenkt der Dichter in ein ruhigeres Fahrwasser wieder ein, und mit dem Preis der Jahreszeiten klingt das Vajjālagga aus¹⁹.

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