Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t2.41
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t2.41
- Language
- German
c8.s2.t2.41
Ein vielgepflegtes Gebiet der Jaina-Poesie ist die Hymnendichtung. Die Preislieder sind in erster Linie den Tîrthankaras geweiht, sei es einzelnen von ihnen oder allen. Daneben gibt es auch solche, die Göttern und heiligen Männern gewidmet sind. Die Lieder finden im Kultus eine ausgedehnte Verwendung; manchen von ihnen werden auch Zauberwirkungen zugeschrieben. Fast alle großen Jainaschriftsteller haben derartige „Stotras“ verfaßt. Eines der berühmtesten Stotras ist das „Bhaktâmara-stotra“ des Mânatunga. Seine Datierung ist unsicher. Die Überlieferung macht Mânatunga zu einem Zeitgenossen des Königs Bhoja und läßt ihn sein Werk im Wettstreit mit den beiden brahmanischen Dichtern Mayûra und Bâna (beide im 7. Jh.) verfassen. Nach der Legende dichtete Mayûra eine „Zenturie an die Sonne“ (Sûrya-shataka), durch welche er den Sonnengott gnädig stimmte, so daß dieser ihn vom Aussatz befreite, gegen den er bisher vergeblich alle möglichen Heilmittel versucht hatte. Um die Macht der Candî (Durgâ) zu erweisen, ließ sich Bâna die Gliedmaßen abhauen und schrieb dann eine „Zenturie an Candî“ (Candî-shataka), deren Strophen so kraftvoll waren, daß ihm die abgeschnittenen Glieder wieder anwuchsen. Um zu zeigen, daß auch die Jaina-Heiligen gleiche Wunder vollbringen könnten, ließ Mânatunga sich fesseln und einschließen. Als er dann das Bhaktâmara-stotra sang, sprang beim Ertönen einer jeden Strophe eine von den 42 Ketten, die ihn umgaben, so daß er schließlich aller Bande ledig war. Die Kommentare wissen von vielen Fällen zu erzählen, in denen einzelne Strophen des Bhaktâmara-stotra auch später noch ihre wundertätige Macht bewiesen.
Linked texts (4)
- Sūryaśataka — Mayūra, Sanskrit
- Caṇḍīśataka — Bāṇabhaṭṭa, Sanskrit
- Bhaktāmarastotra — Mānatuṅga, Sanskrit
- Bāṇa