Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c9.s5.t2.30
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c9.s5.t2.30
- Language
- German
c9.s5.t2.30
Rishabhas Sohn Bharata war der 1. Cakravartî des Bharata- Landes, das deshalb von ihm seinen Namen erhielt. Auf seinen Kriegszügen vollbrachte er die erstaunlichsten Wundertaten. Als einmal die mit den an der Nordgrenze seines Reiches wohnenden Barbaren verbündeten Nâgas auf sein Heer sieben Tage hintereinander einen Regen von Wurfgeschossen herabfallen ließen, barg er seine Krieger in dem Fell-Kleinod und setzte seinen Sonnenschirm auf dieses, so daß alle, wie in einer halbkugelförmigen Dose, vor jeder Unbill gesichert waren. Für die Verpflegung konnte, wie schon oben S. 256 bemerkt wurde, ja leicht durch das Säen von schnell aufgehenden Getreidekörnern gesorgt werden. Als Bharata das ganze Bharata-Land seiner Herrschaft unterworfen hatte, kehrte er in seine Residenz zurück. Er gebot nun seinen 98 Brüdern, ihm Gehorsam zu leisten. Sie waren unschlüssig, ob sie seinem Befehl folgen sollten oder nicht, da Rishabha einem jeden von ihnen ein Königreich gegeben hatte. Sie begaben sich deshalb zu ihrem Vater und fragten ihn, ob Bharata ihnen ihr Land rauben dürfe, ob sie kämpfen oder ihm gehorchen sollten. Da predigte ihnen Rishabha die heilige Lehre. Als sie die Rede des Heiligen hörten, erkannten sie die Nichtigkeit irdischer Freuden und entsagten alle der Welt. So gelangte Bharata auch in den Besitz ihrer Reiche, und sein Bruder Bàhubali war jetzt der einzige, der noch nicht seiner Botmäßigkeit unterstand. Bharata schickte deshalb Gesandte zu ihm und forderte ihn auf, seine Oberherrschaft anzuerkennen. Bàhubali aber war entschlossen, seine Rechte mit dem Schwert zu verteidigen. Als sich die Heere der beiden Brüder gegenüberstanden, kam man auf Bàhubalis Vorschlag überein, daß nur die beiden Könige miteinander kämpfen sollten. Bàhubali besiegte Bharata nacheinander im Blickkampf, im Wortkampf und im Faustkampf. Auch Bharatas Diskus vermochte Bàhubali nichts anzuhaben. Obwohl er siegreich war, entstand in Bàhubali plötzlich der Wunsch, gleich seinen Brüdern Asket zu werden. Er überließ dem Bruder das Reich und stand ein Jahr lang unbeweglich auf einem Fleck, so daß sich Pflanzen um seine Glieder rankten und Schlangen seine aus Ameisenhaufen emporragenden Füße umschlangen. Durch die Kraft seiner Askese erlangte Bàhubali dann die Allwissenheit⁸.