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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c9.s5.t2: II. Die Geschichte des Bharata-Landes und seiner großen Männer

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c9.s5.t2

Language
German

II. Die Geschichte des Bharata-Landes und seiner großen Männer

c9.s5.t2.1

1. Vorbemerkungen

c9.s5.t2.2

Das Zeitrad dreht sich in der ganzen Menschenwelt. Da überall, wo die Zeitalter Sushama-dushamâ und Dushama-sushamâ herrschen, die 63 berühmten Männer auftreten, so erscheinen Serien von diesen Haupthelden der Hagiographie in den verschiedensten Teilen der Welt. Die Jainas geben daher Listen der Tîrthankaras usw. von Bharata, Airâvata 49, Mahâvideha der 2 1/2 Kontinente Jambudvîpa, Dhâtakikhanda und Pushkaradvîpa und teilen nicht nur die Namen derjenigen von ihnen, welche in der gegenwärtigen Weltperiode lebten und wirkten, mit, sondern wissen zum Teil auch diejenigen zu nennen, welche in früheren Avasarpinîs oder Utsarpinîs existierten 50 und welche in künftigen Epochen auftreten werden. Sogar über die Gleichzeitigkeit von „berühmten Männern“ in verschiedenen Weltteilen sind Spekulationen angestellt worden. Ausdrücklich wird gelehrt, daß in demselben Zeitabschnitt in den 2½ Kontinenten, welche von Menschen bewohnt werden, im Höchstfalle 170, im Mindestfalle 20 Tîrthankaras auftreten können. Die Maximalzahl erklärt sich wie folgt: in jedem der 5 Bharatas (1 in Jambûdvîpa, 2 in Dhâtakîkhanda, 2 in dem halben, von Menschen bewohnten Pushkaradvîpa) je einer, also zusammen 5; in jedem der 5 Airâvatas (die sich wie die Bharatas auf die Kontinente verteilen) je 1, zusammen also 5; in jeder der 32 Provinzen (Vijaya) der 5 Mahâvidehas (die sich auf die Kontinente in gleicher Weise verteilen) je 1, also zusammen 32 × 5 = 160, insgesamt 5 + 5 + 160 = 170. Die Mindestzahl ergibt sich, wenn nur in dem 1 Mahâvideha von Jambûdvîpa 4 und in den 2 Mahâvidehas von Dhâtakîkhanda und in den 2 Mahâvidehas von Pushkaradvîpa je 8 erscheinen: 4 + 8 + 8 = 20. In entsprechender Zahl erscheinen auch die anderen großen Männer in den anderen Weltteilen. Daß die zu gleicher Zeit lebenden Shalâkâ-purushas von einander wissen, ergibt sich aus einer Angabe in der Jnâtadharmakathâ, nach welcher Krishna, der Vâsudeva von Jambûdvîpa, und Kapila, der Vâsudeva von Dhâtakîkhanda, ihre Muscheln über das Salzmeer hinüber zusammen ertönen ließen¹.

c9.s5.t2.3

Die Jaina-Theologen haben sich ausführlich nur mit den 63 berühmten Männern des Bharata-Landes in der gegenwärtigen Weltperiode beschäftigt. Trotz des großen Umfanges der Literatur, welche der Geschichte Bharatas gewidmet ist, läßt sich der wesentliche Inhalt der Welthistorie der Jainas doch auf wenigen Seiten darstellen. Die Schicksale der meisten Tîrthankaras sowie vieler von den anderen Helden sind einander nämlich, wie schon oben bemerkt wurde, so ähnlich, daß sie durch die oben S. 247 ff. gemachten Bemerkungen in der Hauptsache hinreichend wiedergegeben worden sind und daß nur noch Einzelheiten nachzutragen bleiben. Das Interesse der Jainas selbst hat sich zudem den einzelnen Personen in sehr verschiedenem Maße zugewendet. Während z. B. die in Bombay erschienene Ausgabe von Hemacandras „Trishashtishalâkâpurushacarita“ dem Leben des 1. Tîrthankara und 1. Cakravartî zusammen 360 Seiten widmet, wird die Biographie des 4. Tîrthankara auf 12, die des Übersicht über die Zeitalter der gegenwärtigen Weltperiode (Avasarpiṇī) von Bharata-kṣetra und ihrer 24 Tīrthankaras (T), 12 Cakravartins (C), 9 Baladevas (B), 9 Vāsudevas (V) und 9 Prativāsudevas (P).

c9.s5.t2.4

I. Suṣamā-suṣamā. II. Suṣamā. III. Suṣamā-duḥṣamā. IV. Duḥṣamā-suṣamā.

c9.s5.t2.5

1. T.: Ṛṣabha (Ādinātha) 1. C.: Bharata
2. T.: Ajita
3. „ Sambhava 2. C.: Sagara
4. „ Abhinandana
5. „ Sumati
6. „ Padmaprabha
7. „ Supārśva
8. „ Candraprahā
9. „ Suvidhi
10. „ Śītala
11. „ Śreyāṃsa
12. „ Vasupūjya
13. „ Vimala
14. „ Ananta
15. „ Dharma

c9.s5.t2.6

16. „ Śānti 3. „ Maghavan
17. „ Kunthu 4. „ Sanatkumāra
18. „ Ara 5. „ Śānti
6. „ Kunthu
7. „ Ara
8. „ Subhūma

c9.s5.t2.7

19. „ Malli 6. „ Ananda 1. B.: Acala 1. V.: Tripr̥ṣṭha 1. P.: Aśvagrīva
20. „ Munisuvrata 7. „ Nandana 2. „ Vijaya 2. „ Dvipr̥ṣṭha 2. „ Tāraka
21. „ Nami 8. „ Padma 3. „ Bhadra 3. „ Svayambhū 3. „ Meraka
22. „ Ariṣṭanemi 9. „ Harisheṇa 4. „ Suprabha 4. „ Puruṣottama 4. „ Madhu
10. „ Jayasena 5. „ Sudarśana 5. „ Puruṣasiṃha 5. „ Niśumbha
11. „ Mahāpadma
12. „ Brahmadatta 6. „ Puruṣapuṇḍarīka 6. „ Bali
23. „ Pārśva 9. „ Balarāma 7. „ Datta 7. „ Prahlāda
24. „ Mahāvīra 8. „ Lakṣmaṇa 8. „ Rāvaṇa
9. „ Kṛṣṇa 9. „ Jarāsandha

c9.s5.t2.8

V. Duḥṣamā. VI. Duḥṣamā-duḥṣamā.

c9.s5.t2.9

3. Cakravartî auf 5 Seiten abgetan; die Geschichte des 8. Baladeva, Vâsudeva und Prativâsudeva wird auf 162, die der 7. Heldengruppe dieser Art auf nur 3 Seiten behandelt 52. In Anbetracht der zahllosen Wiederholungen und Einschübe ist aber der wesentliche Inhalt auch der umfangreichen Abschnitte, welche einem der Shalâkâ-purushas gewidmet sind, nicht so ergiebig, als man nach ihrem Umfang annehmen müßte.

c9.s5.t2.10

Zur Erleichterung der Orientierung sei eine kurze Übersicht vorausgeschickt, aus welcher erkennbar ist, in welcher Reihenfolge die 63 großen Männer unserer Avasarpinî gelebt haben und welche von ihnen Zeitgenossen gewesen sind. (Die Tirthankaras 5—7 figurieren in der Tabelle doppelt, weil sie gleichzeitig Cakravartîs waren. Die tatsächliche Zahl der Shalâkâ-purushas unserer Weltperiode betrug also nur 60 statt 63.)

c9.s5.t2.11

Diese Tabelle gilt in dieser Form nur für die Shvetâmbaras. Die Hagiographie der Digambaras weist demgegenüber einige Abweichungen auf. So wird von ihnen Vijaya als der 1., Acala als der 2. Baladeva bezeichnet, und die Reihenfolge der Prativâsudevas 4—7 ist bei ihnen gewöhnlich: Nishumbha, Madhukaitabha, Bali, Praharana 53, andere lassen dieselben aber folgendermaßen aufeinander folgen: 4. Madhusûdana, 5. Madhukaitabha, 6. Nishumbha, 7. Balîndra 54. Auf alle derartigen Einzelheiten konnte im Folgenden nicht eingegangen werden; meine Darstellung gibt in der Hauptsache die Anschauungen der Shvetâmbaras wieder und führt nur in einigen besonderen Fällen wichtigere Punkte an, in denen die Digambaras anderer Meinung sind.

c9.s5.t2.12

2. Die Zeitalter, Heiligen und Helden der gegenwärtigen Weltperiode.

c9.s5.t2.13

a. Sushama-sushamâ.

c9.s5.t2.14

In Sushama-sushamâ, dem besten aller Zeitalter, war die Erde voll von schönen Bäumen und Pflanzen und glänzte im Schmuck fünffarbiger Edelsteine. Die Lüfte waren von köstlichen Wohlgerüchen erfüllt, und überall herrschte Glück und Freude. Die Menschen waren schneeweiß, von herrlicher Wohlgestalt und mit 32 Schönheitszeichen geschmückt. Krankheit und Unfrieden gab es unter ihnen nicht, auch keine Könige oder Kasten, sondern alle waren untereinander gleich an Rang und lebten zufrieden und glücklich. Sie verbrachten ihre Tage in Spiel und Genuß, sie brauchten nicht einem Handel oder Gewerbe nachzugehen, weil ihnen alles mühelos zuteil wurde. Denn wenn die Menschen einen Wunsch hatten, so gingen sie zu einem der 10 Wunschbäume; dann erhielten sie alles, dessen sie bedurften.

c9.s5.t2.15

Die 10 Wunschbäume (Kalpadruma), die damals die Erde verschönten, waren folgende: 1. Mattânga, der Gesundheit und Heiterkeit ausstreute, 2. Bhritânga, der Schönheit gewährte, 3. Turyânga, dessen Blätter herrliche Musik ertönen ließen, 4. Dîpashikhâ, der die Finsternis durch seinen Glanz erleuchtete, 5. Jyotiranga (Jyotishikâ), der wie Sonne, Meteore, Blitze oder Feuer strahlte, 6. Citrânga, der wunderbare Kränze spendete, 7. Citrarasa, der wohlschmeckende Speisen gab, 8. Manyanga, der Edelsteine und Geschmeide schenkte, 9. Gehâkâra, der Behausung und Wohnung gewährte, 10. Anagna, der herrliche Kleider verlieh 55.

c9.s5.t2.16

Die Menschen nährten sich nur von Früchten und nahmen diese nur in geringem Umfange alle drei Tage zu sich. Ihr Lebensalter betrug am Anfang dieses Zeitalters 3 Palyopamas, nahm aber allmählich ab; die Größe ihres Leibes war zu Beginn von Sushamasushamâ 3 Gavyûtis (Krosha). Die Kinder waren schon mit 49 Tagen erwachsen, so daß sie der Fürsorge der Eltern nicht mehr bedurften. Ihre Entwicklung ging mit großer Schnelligkeit vor sich: in der ersten Woche leckten sie den Daumen, in der zweiten krochen sie auf der Erde, in der dritten fingen sie an zu sprechen, in der vierten begannen sie ihre Gehversuche, in der fünften waren sie schon ganz sicher auf den Beinen, in der sechsten waren sie in allen Künsten erfahren, in der siebenten waren sie des Liebesgenusses fähig. Alle Kinder wurden als Zwillinge geboren, und zwar immer ein Knabe mit einem Mädchen zusammen, diese Geschwister aber waren zu dauernder Lebensgemeinschaft vereinigt. Die Menschen kamen damals zur Welt, kurz bevor das Leben ihrer Eltern sein Ende erreicht hatte, so daß nie eine Übervölkerung der Erde eintreten konnte. Sobald sie erwachsen waren, starb der Vater durch Gähnen, die Mutter durch Niesen.

c9.s5.t2.17

Wenn die Menschen damals starben, dann wurden ihre Leichen nicht bestattet, weil die Verwendung des Feuers noch unbekannt war, sondern man bettete sie im Walde, und Vögel hoben sie auf und trugen sie ins Meer oder in die Gangâ. Die Seelen der Verstorbenen aber erlangten alle ihr neues Dasein in der Götterwelt.

c9.s5.t2.18

Das Sushama-sushamâ-Zeitalter währte 4 Kotikotis von Sâgaropamas.

c9.s5.t2.19

b. Sushamâ.

c9.s5.t2.20

In Sushamâ herrschten dieselben Zustände wie in Sushama-sushamâ, doch war schon eine beträchtliche Verringerung des Glückes und der Tugend eingetreten. Die Menschen wurden zu Beginn nur noch 2 Gavyûtis groß und lebten im Höchstmaß nur noch 2 Palyopamas lang. Sie nahmen alle zwei Tage die Früchte der Kalpabäume zu sich, und es dauerte 64 Tage, bis ein Kind erwachsen war.

c9.s5.t2.21

Das Sushamâ-Zeitalter währte 3 Kotikotis von Sâgaropamas, in jedem Moment ein wenig von seinem Glanz einbüßend.

c9.s5.t2.22

c. Sushama-duhshamâ.

c9.s5.t2.23

Im „gut-schlechten“ Zeitalter Sushama-duhshamâ, das 2 Kotikotis von Sâgaropamas währte, erreichten die Menschen zu Beginn eine Höhe von 1 Gavyûti und lebten 1 Palyopama lang. Sie genossen einen Tag um den anderen die Früchte des Kalpabaums, und die Kinder wurden 79 Tage alt, bis sie erwachsen waren. In der ersten Zeit wurden die Seelen der Verstorbenen noch wie in den beiden vorhergehenden Zeitaltern nur im Götterhimmel wiedergeboren, später kamen sie in allen vier Daseinsstufen zu neuem Leben. Die Wunschbäume begannen zu schwinden und spendeten nicht mehr so reichlich ihre Gaben. Auch die Tugend der Menschen ließ nach, und Gier und Leidenschaft begannen sich zu regen. Die allgemeine Verschlechterung der Sitten machte die Aufstellung von Gesetzen erforderlich. Als daher von dem Zeitalter nur noch 1/2 Palyopama übrig war, traten der Reihe nach sieben Patriarchen (Kulakara) auf und gaben der Menschheit Vorschriften über ihr Handeln. Die Kulakaras hießen: Vimalavâhana, Cakshushmân, Yashasvî, Abhicandra, Prasenajit, Marudeva und Nâbhi.

c9.s5.t2.24

Die Digambaras nehmen 14 Kulakaras an, die sie auch „Manus“ nennen, und schildern im einzelnen ausführlich, wie unter einem jeden von ihnen eine allmähliche Verschlechterung der Zustände in der Welt eintrat.

c9.s5.t2.25

Unter dem 1. Kulakara, Pratishruti, nahm der Glanz des Wunschbaumes Jyotiranga in so hohem Maße ab, daß Sonne und Mond zum ersten Male von den Menschen gesehen wurden; bisher war das Licht derselben von dem des Baumes derartig überstrahlt worden, daß die Menschen die beiden gar nicht bemerkt hatten. Zur Zeit des 2. Manu, Sanmati, wurden die Sterne sichtbar, zur Zeit des 3., Kshemankara, wurden die Menschen von den Tieren angegriffen, der Manu gebot ihnen, sich von ihnen fernzuhalten. Unter dem 4., Kshemandhara, wurden die Tiere noch wilder, so daß man sie sich mit Steinen und Stöcken vom Leibe halten mußte. Unter den folgenden Kulakaras ließ die Ergiebigkeit der Wunschbäume nach, so daß die Menschen sich um ihre Früchte stritten. Der 5. Manu, Sìmankara, teilte deshalb den einzelnen bestimmte Landstriche zur Nutznießung zu, sein Nachfolger, Sìmandhara, sah sich genötigt, die einzelnen Areale durch sichtbare Zeichen abzugrenzen. Der 7. Manu, Vimalavâhana, lehrte die Verwendung von Elefanten und Pferden als Reittiere. Unter dem 8., Cakshushmàn, starben die Eltern nicht mehr, wenn ihre Zwillingskinder geboren wurden, unter dem 9., Yashasvàn, dem 10., Abhicandra, dem 11., Candrâbha, nahm die Zeit, welche die Eltern mit ihren Kindern zusammen lebten, beständig zu; die Kulakaras mußten deshalb die Menschen über dieses ungewohnte Ereignis aufklären. Im Zeitalter des 12. Kulakara, Marudeva, bildeten sich Hügel und Flüsse; der Patriarch zeigte den Menschen, wie man Wege über die Berge bahnt und Schiffe baut, um die Ströme zu überqueren. Unter dem 13. Manu, Prasenajit, kamen die Menschen zuerst mit einer embryonalen Eihaut versehen zur Welt, er zeigte ihnen, wie sie entfernt wird. Der 14. Kulakara, Nâbhi, führt seinen Namen davon, daß zu seiner Zeit die Kinder mit einer Nabelschnur versehen geboren wurden, und er zuerst lehrte, wie sie zu zerschneiden ist. Unter ihm regnete es zuerst, und Pflanzen und Kräuter wuchsen von selbst. Nâbhi unterwies die Menschen, die nicht mehr allein von den Früchten der Wunschbäume leben konnten, wie man sich ihrer als Nahrung und zu anderen Zwecken bedienen könne 56.

c9.s5.t2.26

Nâbhi und seine Gattin Marudevî hatten einen Sohn Rishabha (Vrishabha). Rishabha wurde der 1. Tîrthankara 57. Seine Geburt wurde durch die berühmten Träume angekündigt; als erstes Traumbild erschien jedoch entgegen der Regel — ein Stier (vrishabha oder rishabha); nach ihm wurde der Knabe genannt, als er geboren worden war. Rishabha wuchs in seinem Geburtsort Ayodhyâ oder Vinîtâ in kürzester Zeit zu einem schönen Jüngling heran und heiratete zwei Frauen; an der Hochzeit, die mit großem Gepräge begangen wurde, nahmen die Götter teil. Nach den Digambaras hießen die beiden Gattinnen Rishabhas Yashasvatî und Sunandâ und waren Schwestern von zwei Männern namens Kaccha und Mahâkaccha. Den Shvetâmbaras zufolge hießen Rishabhas Frauen Sumangalâ und Sunandâ, und zwar war Sumangalâ Rishabhas Zwillingsschwester, Sunandâ hingegen ein Mädchen, deren (ihr nach dem bisher herrschenden Brauch als Gatte bestimmter) Zwillingsbruder durch den Herabfall der Frucht einer Weinpalme ums Leben gekommen war. (Es war dies der erste gewaltsame Tod, der sich in dieser Weltperiode ereignete!) Von Sumangalâ hatte Rishabha einen Sohn Bharata, eine Tochter Brahmî sowie 98 Zwillingssöhne, von Sunandâ einen Sohn Bâhubali und eine Tochter Sundarî, im ganzen also 100 Söhne und 2 Töchter. Weil er — etwas in der Welt bisher nicht Dagewesenes — Zuckerrohr (ikshu) gegessen hatte, das ihm Shakra (Indra) dargeboten, erhielten seine Nachkommen den Namen Ikshvâku.

c9.s5.t2.27

Auf Nâbhis Rat wurde Rishabha, als er 2 000 000 Pûrva-Jahre alt war, von den Menschen zum König eingesetzt — er war der erste, der mit diesem Titel ausgezeichnet wurde. Während einer langen Regierungszeit legte er die Grundlagen aller späteren Gesittung. Er verheiratete Bharata mit Sundarî, Bâhubali mit Brahmî und brach dadurch mit der Überlieferung, welche Zwillinge zu Gatten machte. Dadurch wurde die Ehe und das Familienleben eingeführt, damit entstand die Ungleichheit der Menschen und das Kastenwesen sowie das Eigentum, zugleich aber auch die Gier nach Besitz und die Notwendigkeit einer Verwaltung und Rechtspflege.

c9.s5.t2.28

In der Voraussicht, daß die Wunschbäume bald ganz fehlen würden und die Menschen deshalb um ihre Nahrung kämpfen müßten, lehrte er seine Untertanen die fünf Grundhandwerke des Töpfers, Schneiders, Malers, Webers und Barbiers, Beschäftigungen, die bisher nicht notwendig waren, weil ja die Wunschbäume alle Lebensbedürfnisse befriedigten und in den guten Weltaltern den Menschen Haare und Nägel nie wuchsen. Er unterrichtete sie im Ackerbau, im Handel, in der Kunst des Kochens, die jetzt erstmalig in Anwendung kam, als man gesehen, daß trockene Hölzer aneinander gerieben sich entzündet hatten. Brahmî zeigte er das Schreiben der 18 Schriftarten, Sundarî das Rechnen, den Männern brachte er im ganzen 72, den Frauen 64 Künste bei.

c9.s5.t2.29

Als Rishabha 6 300 000 Pûrva-Jahre machtvoll geherrscht hatte, wurde er der Vergänglichkeit alles Irdischen inne und beschloß der Welt zu entsagen. Er setzte seine Söhne zu Erben seines Reiches ein, machte große Schenkungen und wurde im Parke Siddhârtha bei Vinîtâ Asket. Er war damit der erste Bettler der ganzen Weltperiode. Nachdem er tausend Pûrva-Jahre sich frommer Beschauung hingegeben, erlangte er in einem Hain in der Nähe der Stadt Purimatâla die Allwissenheit. Dadurch hatte er als erster in der Avasarpinî die Stellung eines Tîrthankara erreicht und wird deshalb als Âdinâtha, „der erste Herr“ bezeichnet. Predigend zog er umher und bekehrte viele Tausende zum wahren Glauben. Als er 99 000 Pûrva-Jahre gewirkt hatte, zog er sich, 8 400 000 Pûrvas alt, in Begleitung von 10 000 Mönchen, auf den Gipfel des Berges Ashtâpada (Kailâsa) zurück. Nach 6 1/2tägigem Fasten ging er, in der Samparyanka-Stellung sitzend, in die Erlösung ein. Die Götter verbrannten seine Leiche mit festlichem Gepräge und führten dadurch diese Bestattungsart in der Welt ein.

c9.s5.t2.30

Rishabhas Sohn Bharata war der 1. Cakravartî des Bharata- Landes, das deshalb von ihm seinen Namen erhielt. Auf seinen Kriegszügen vollbrachte er die erstaunlichsten Wundertaten. Als einmal die mit den an der Nordgrenze seines Reiches wohnenden Barbaren verbündeten Nâgas auf sein Heer sieben Tage hintereinander einen Regen von Wurfgeschossen herabfallen ließen, barg er seine Krieger in dem Fell-Kleinod und setzte seinen Sonnenschirm auf dieses, so daß alle, wie in einer halbkugelförmigen Dose, vor jeder Unbill gesichert waren. Für die Verpflegung konnte, wie schon oben S. 256 bemerkt wurde, ja leicht durch das Säen von schnell aufgehenden Getreidekörnern gesorgt werden. Als Bharata das ganze Bharata-Land seiner Herrschaft unterworfen hatte, kehrte er in seine Residenz zurück. Er gebot nun seinen 98 Brüdern, ihm Gehorsam zu leisten. Sie waren unschlüssig, ob sie seinem Befehl folgen sollten oder nicht, da Rishabha einem jeden von ihnen ein Königreich gegeben hatte. Sie begaben sich deshalb zu ihrem Vater und fragten ihn, ob Bharata ihnen ihr Land rauben dürfe, ob sie kämpfen oder ihm gehorchen sollten. Da predigte ihnen Rishabha die heilige Lehre. Als sie die Rede des Heiligen hörten, erkannten sie die Nichtigkeit irdischer Freuden und entsagten alle der Welt. So gelangte Bharata auch in den Besitz ihrer Reiche, und sein Bruder Bàhubali war jetzt der einzige, der noch nicht seiner Botmäßigkeit unterstand. Bharata schickte deshalb Gesandte zu ihm und forderte ihn auf, seine Oberherrschaft anzuerkennen. Bàhubali aber war entschlossen, seine Rechte mit dem Schwert zu verteidigen. Als sich die Heere der beiden Brüder gegenüberstanden, kam man auf Bàhubalis Vorschlag überein, daß nur die beiden Könige miteinander kämpfen sollten. Bàhubali besiegte Bharata nacheinander im Blickkampf, im Wortkampf und im Faustkampf. Auch Bharatas Diskus vermochte Bàhubali nichts anzuhaben. Obwohl er siegreich war, entstand in Bàhubali plötzlich der Wunsch, gleich seinen Brüdern Asket zu werden. Er überließ dem Bruder das Reich und stand ein Jahr lang unbeweglich auf einem Fleck, so daß sich Pflanzen um seine Glieder rankten und Schlangen seine aus Ameisenhaufen emporragenden Füße umschlangen. Durch die Kraft seiner Askese erlangte Bàhubali dann die Allwissenheit⁸.

c9.s5.t2.31

Bharata genoß in Weisheit die Freuden seiner Weltherrschaft. Eine seiner wesentlichsten Regierungstaten war die Abfassung der vier „echten Veden“ (ârya veda), in welchen die Verehrung der Tîrthankaras, der wahre Glaube und der richtige Wandel verkündet wurde 59. Mit dem Studium derselben wurden hervorragende Männer beauftragt, die man Brahmanen nannte oder „Zweigeborene“, weil sie mit einer heiligen Schnur umgürtet wurden und dadurch eine zweite, geistige Geburt erlebten 60.

c9.s5.t2.32

Bharata ließ auf den Ashtâpada einen Tempel des Rishabha errichten, und ebenso in Shatrunjaya. Durch den Tod seines Vaters und seiner meisten Verwandten, die ebenfalls die Erlösung gefunden, fühlte er sich aber schließlich vereinsamt und wurde des Weltlebens überdrüssig. Als ihm einst, als er prachtvoll geschmückt auf seinem Thron saß, ein Ring von einem Finger fiel und er sah, wie unansehnlich letzterer ohne Geschmeide war, erkannte er die Häßlichkeit und Wertlosigkeit des Leibes und wurde der völligen Verschiedenheit von Seele und Leib inne. Er entsagte darum der Herrschaft und gab sich frommer Meditation hin. Niemand hatte ihn geweiht, Indra aber ließ ihn selbst die fünf Haarsträhnen sich ausreißen und versah ihn mit dem Büßergewande. Als Bharata alles Karma vernichtet, erlangte er die Allwissenheit und auf dem Ashtâpadaberge die Erlösung, über 8 400 000 Pûrvajahre alt.

c9.s5.t2.33

Ein Sohn Bharatas, Marîci, war Mönch geworden und hatte gehört, wie sein Großvater Bharata erzählt hatte, daß er dereinst als Mahâvîra der letzte Tîrthankara sein werde. Dadurch wurde er so eingebildet, daß er das Karma „niederer Rang“ (S. 164) band, das ihn später in brahmanischen Mutterleib eingehen ließ. Marîci fand die Vorschrift für die Jainamönche, die dreifache Herrschaft (danda) über Gedanken, Worte und Werke zu bewahren, schwer durchführbar; er stellte deshalb die falsche Lehre auf, jeder, der drei zusammengebundene Stäbe (danda) trage, sei des Heiles sicher. Viele bekehrten sich zu diesem Glauben, der von Marîcis Schüler Kapila weiter ausgebildet wurde und heute noch bei den Brahmanen fortlebt, deren Büßer bekanntlich einen Dreistab (Tridanda) tragen.

c9.s5.t2.34

3 Jahre 8 1/2 Monate nach Rishabhas Nirvâna endete das Zeitalter Sushama-duhshamâ, nachdem es 2 Kotikotis von Sâgaropamas gewährt hatte.

c9.s5.t2.35

d. Duhshama-sushamâ.

c9.s5.t2.36

Im Zeitalter Duhshama-sushamâ gab es keine Wunschbäume mehr, und die Menschen, die jetzt täglich Speise zu sich nahmen, mußten sich durch ihrer Hände Arbeit ernähren. Alle Verhältnisse verschlechterten sich zusehends. Die Körpergröße betrug am Anfang 500 Dhanus, das Lebensalter 10 Millionen Pûrva-Jahre. Unglück und Krankheit suchten die Menschheit in steigendem Maße heim, und der Irrglauben gewann immer mehr Boden. In diesem Zeitalter, das 1 Kotikoti von Sâgaropamas weniger 42 000 Jahre dauerte, erschienen alle übrigen großen Männer der Weltgeschichte.

c9.s5.t2.37

Als von dem „schlecht-guten“ Zeitalter fast die Hälfte verstrichen war, 50 Lâkhs von Kotis von Sâgaropamas weniger 7 200 000 Pûrva-Jahre nach Rishabhas Nirvâna, wurde der 2. Tîrthankara, Ajita, in Ayodhyâ im Kosala-Lande als Sohn des Königs Jitashatru und seiner Gattin Vijayâ geboren. Er erhielt seinen Namen davon, daß er von den Leidenschaften nicht besiegt (ajita) wurde, oder daß sein Vater seine Mutter, als sie mit ihm schwanger ging, im Spiel nicht zu besiegen vermochte. In der einem Prinzen gebührenden Weise erzogen, wurde er von dem König, als dieser die Weihe nahm, zum Herrscher eingesetzt, entsagte aber dann der Welt, wurde allwissend, verkündete die Lehre und erreichte auf dem Sameta-Berge im Alter von 7 200 000 Pûrva-Jahren die Erlösung.

c9.s5.t2.38

Ein Neffe Ajitas, Sohn von Jitashatrus Bruder Sumitravijaya und seiner Gemahlin Yashomatì, war Sagara, der 2. Cakravartî⁶¹. Als Ajita Mönch geworden, wurde ihm das Königtum übertragen, das er mit so großem Erfolg verwaltete, daß er sich ganz Bharata unterwarf und zum Weltbeherrscher gesalbt wurde. Sagara hatte 60 000 Söhne. Diese durchzogen einst mit einem großen Heere die Lande und gelangten zu dem edelsteingeschmückten Tempel, den Bharata auf dem Ashtâpada-Berge errichtet hatte. Als Jahnu, der älteste der Brüder, die Schätze des Heiligtums sah, bedachte er mit Furcht, daß bei der fortschreitenden Verschlechterung der Sitten böse Menschen später die Kostbarkeiten rauben könnten. Er beschloß daher, zum Schutze des Caitya mit seinen Brüdern einen großen Graben um dieses zu ziehen. Mit Hilfe des Stabkleinods wurde die Erde bis in ihre untersten Tiefen hin umgegraben. Dadurch wurden die Wohnungen der Schlangengeister zerstört, die unter der Erde hausten. Der Schlangenkönig machte Jahnu darauf Vorhaltungen, verzieh den Brüdern aber, als er von dem guten Zwecke, den sie verfolgten, hörte. Als Jahnu jedoch dann den Graben mit Wasser aus dem Ganges füllen ließ und damit eine Überschwemmung in der Schlangenstadt anrichtete, ergrimmte der Schlangenfürst und sandte seine Heerscharen aus; und diese verbrannten die 60000 Jünglinge mit ihren giftigen Blicken zu Asche.

c9.s5.t2.39

Erschreckt kehrten Sagaras Mannen zum König zurück und überlegten, wie sie ihm das furchtbare Geschehnis mitteilen könnten. Unterwegs trafen sie einen Brahmanen, der sich erbot, dies für sie zu tun. Derselbe nahm einen toten Knaben, trat mit diesem zu Sagara und bat ihn, diesen zum Leben zu erwecken. Der König verwies ihn an seinen Arzt; der Arzt aber sagte, er bedürfe hierzu der Asche aus einem Hause, in welchem noch nie jemand gestorben. Als es sich herausstellte, daß es nicht möglich war, diese zu beschaffen, tröstete Sagara den Brahmanen mit dem Hinweis auf die Unentrinnbarkeit des Todes. Darauf berichtete ihm der Brahmane von dem Tod seiner 60000 Söhne. Sagara sank ohnmächtig vom Thron, faßte sich aber schließlich wieder und ließ die Bestattungszeremonien vollziehen.

c9.s5.t2.40

Am nächsten Tage sandte er seinen Enkel Bhagîratha zum Ashtâpada. Dieser führte den Ganges, der die ganze Umgegend zu überschwemmen drohte, mit Hilfe des Stab-Kleinods in das Bett, das er heute durchfließt, und schließlich ins Meer. Weil die Gangâ von Jahnu herbeigeführt worden war, heißt sie noch jetzt Jâhnavî, weil sie Bhagîratha fortbrachte, wird sie Bhagîrathî genannt, und weil der Ozean sie auf Sagaras Befehl aufnahm, heißt das Meer „Sâgara“.

c9.s5.t2.41

Als Bhagîratha sein Werk vollendet hatte, setzte ihn Sagara als seinen Nachfolger ein, entsagte selbst der Welt und erlangte zusammen mit Ajita das Nirvâna.

c9.s5.t2.42

Sambhava, der 3. Tîrthankara, war ein Sohn des Königs Jitâri von Shrâvastî und der Königin Senâ. Sein Name soll andeuten, daß mit seiner Geburt in der Welt die Entstehung (sambhava) eines Übermaßes von Glück verknüpft war. Nachdem er die irdischen Freuden durchkostet, wurde er ein Mönch, verkündete die Lehre und ging, 6 000 000 Pûrva-Jahre alt, auf dem Sameta-Berge in das Nirvâna ein, 30 Kotis von Lâkhs von Sâgaropamas nach Ajita.

c9.s5.t2.43

Abhinandana, der 4. Tîrthankara, wurde in Ayodhyâ als Sohn des Königs Samvara und der Siddhârthâ geboren. Sein Name wurde ihm gegeben in Erinnerung an die freudige Begrüßung (abhinandana), die ihm in der Welt durch Götter und Menschen zuteil wurde. Zur Seligkeit gelangte er, 5 000 000 Pûrva-Jahre alt, auf dem Sameta-Berge, 10 Lâkhs von Kotis von Sâgaropamas nach seinem Vorgänger.

c9.s5.t2.44

Sumati, der 5. Tîrthankara, erblickte ebenfalls in Ayodhyâ (Sâketa) das Licht der Welt. Seine Eltern waren König Megha und Königin Mangalâ. Sein Name nimmt Bezug auf ein Ereignis, das sich vor seiner Geburt zutrug und bei welchem seine Mutter Zeugnis von außergewöhnlich scharfem Verstande (su-mati) ablegte. Ein reicher Mann war gestorben und hatte zwei Frauen und einen Sohn hinterlassen. Jede dieser Frauen nahm den Sohn als ihren eigenen für sich in Anspruch. Da sie sich nicht friedlich einigen konnten, trugen sie dem Könige ihren Rechtsstreit vor. Der König vermochte den schwierigen Fall nicht zu entscheiden und fragte die Königin um Rat. Diese gebot, den Knaben gleich allem übrigen Besitz in zwei Teile zu zerlegen und jeder Frau die Hälfte von ihm zu geben. Die wahre Mutter erklärte darauf, sie verzichte lieber auf Sohn und Erbe, als daß sie dulde, daß der Knabe getötet werde; das andere Weib hingegen verhielt sich gleichgültig. Da wurde das Kind der ersteren zugesprochen⁶². Sumati führte das typische Leben eines Tîrthankara und starb schließlich erlöst auf dem Sameta-Berge, 4 000 000 Pûrva-Jahre alt, 9 Kotis von Lâkhs von Sâgaropamas nach seinem Vorgänger.

c9.s5.t2.45

Padmaprabha, der 6. Tîrthankara, stammte aus Kaushâmbî (Sukoshâ), wo sein Vater Dhara (Shrîdhara), Gemahl der Susimâ, herrschte. Da seine Mutter während ihrer Schwangerschaft ein Gelüste nach Lotussen (padma) hatte und auf einem Lotuslager zu ruhen wünschte, wurde er Padmaprabha (Lotusglanz) genannt. Nachdem er die üblichen Lebensstadien eines Tîrthankara durchgemacht hatte, erreichte er das Heil auf dem Sameta-Berge, im 3 000 000 Pûrva-Jahre seiner letzten Existenz, 90 000 Kotis von Sâgaropamas nach Sumatis Nirvâna.

c9.s5.t2.46

Supârshva, der 7. Tîrthankara, war ein Sohn des Königs Pratishtha und der Königin Prithivî von Benares. Weil die Mutter, als sie ihn unter dem Herzen trug, eine schöne Seite (su-pârshva) hatte, nannte man ihn Supârshva. Da sie sich im Traum auf einem Schlangenlager hatte liegen sehen und der Tîrthankara von Geburt an von Schlangen umgeben war, wird er unter einem von Schlangen gebildeten Baldachin dargestellt. Sein Nirvâna vollzog sich auf dem Sameta-Berge, nachdem er 2 000 000 Pûrva-Jahre gelebt hatte, 9000 Kotis von Sâgaropamas nach dem seines Vorgängers.

c9.s5.t2.47

Candraprabha, der 8. Tîrthankara, wurde als Sohn des Königs Mahâsena und seiner Gattin Lakshmanâ in Candrapurî geboren. Sein Name ,,Mondglanz“ wurde ihm zuteil, weil seine Leshyâ (Seelenfarbe) schneeweiß war, wie der Glanz des Vollmonds, oder weil seine Mutter, als sie guter Hoffnung war, den Mond zu trinken wünschte — ein Verlangen, das man ihr in der Weise erfüllte, daß man ihr Wasser aus einer silbernen Schale, in welche das Mondlicht fiel, zu trinken gab. Allwissend geworden, starb er auf dem Sameta-Berge, 1 000 000 Pûrva-Jahre alt, 900 Kotis von Sâgaropamas nach Supârshva.

c9.s5.t2.48

Suvidhi oder Pushpadanta, der 9. Tîrthankara, erlebte seine letzte irdische Existenz als Sohn des Königs Sugrîva von Kâkandî und seiner Gattin Râmâ. Weil die schwangere Râmâ viele heilige Bräuche (su-vidhi) ausgeführt hatte, wurde er Suvidhi geheißen; weil seine Zähne Blumen glichen, Pushpadanta. Die Erlösung wurde ihm auf dem Sameta-Berg zuteil, woselbst er, 200 000 Pûrva-Jahre alt, 90 Kotis von Sâgaropamas nach Candraprabha starb.

c9.s5.t2.49

Während sich die Jaina-Lehre trotz des sich verbreitenden Irrglaubens bisher seit der Zeit Rishabhas durch die Jahrtausende fortgepflanzt hatte, ging sie nach dem Tode Suvidhis und der folgenden Tîrthankaras bis auf Shântinâtha regelmäßig verloren und mußte erst durch das Auftreten des neuen Propheten wieder erweckt werden. Das Erlöschen des Jainismus (Tîrtha-yavaccheda) in der Zeit zwischen dem 9. und 10. Tîrthankara währte 1/4 Palyopama.

c9.s5.t2.50

Shîtala, der 10. Tîrthankara, kam in Bhadilapura (Bhadrikâ-purî) zur Welt. Da seine Mutter Nandâ, als sie schwanger war, durch ihre kühlende Berührung ihren Gatten Dridharatha von einem hitzigen Fieber heilte, nannte man ihn den kühlenden (shîtala). 100 000 Pûrva-Jahre alt, ging er auf dem Sameta-Berge in die Seligkeit ein, 9 Kotis von Sâgaropamas nach Suvidhi. Die Zeit zwischen ihm und seinem Nachfolger, während welcher der rechte Glaube verschwand, betrug 1/4 Palyopama.

c9.s5.t2.51

Shreyânsa, der 11. Tîrthankara, stammte aus Sinhapura, wo sein Vater Vishnu herrschte. Seine Mutter Vishnâ (Vishnudrî) vermochte sich, als sie ihn unter dem Herzen trug, kraft des von ihm ausgehenden guten Einflusses auf ein von einem Dämon besessenes Bett zu setzen; wegen des Guten (shreyânsa), das er schon vor seiner Geburt vollbrachte, erhielt der Prinz den Namen Shreyânsa. Er starb auf dem Sameta-Berge, 8 400 000 gemeine Jahre alt, 1 Koti weniger 100 Sâgaropamas und 6 626 000 Jahre nach Shîtala.

c9.s5.t2.52

Zu Shreyânsas Zeit lebte in Potanapura König Ripupratishatru. Dessen Gemahlin Bhadrâ träumte einst, als sie schwanger war, vier von den berühmten Träumen und gebar dann später einen Sohn Acala, den 1. Baladeva. Später schenkte sie ihrem Gatten noch eine Tochter Mrigavatî. Zur Jungfrau herangeblüht, erstrahlte das Mädchen in so großer Schönheit, daß der Vater sich in sie sterblich verliebte und den Entschluß faßte, sie zu heiraten. Um der beabsichtigten Ehe eine gesetzliche Grundlage zu geben, berief er eine große Versammlung ein und richtete an die Anwesenden die Frage: „Wem gehört ein Edelstein, der in meinem Lande gefunden wird?“ Man antwortete ihm, er sei Herr des Landes und deshalb Besitzer von allem, was es hervorbrächte. Als er seine Frage noch zweimal wiederholt und dieselbe Antwort erhalten hatte, heiratete er Mrigavatî nach dem Gandharvenritus (d. h. ohne weitere Feierlichkeit) zum Entsetzen seiner Untertanen, die ihn fortan Prajâpati*) nannten. Bhadrâ war über die Handlungsweise ihres Gemahls so entrüstet, daß sie nach dem Dekhan auswanderte, begleitet von Acala, der dort die Stadt Mâheshvarî erbaute, wo die Mutter blieb, während er selbst nach Potanapura zurückkehrte.

c9.s5.t2.53

Mit Mrigavatî zeugte Ripupratishatru einen Knaben, der, durch 7 Träume als 1. Vâsudeva erwiesen, den Namen Triprishta erhielt. (Derselbe war eine Wiedergeburt des Marîci (S. 269) und eine Vorgeburt des 24. Tirthankara Mahâvîra.) Trotz des Altersunterschieds bestand zwischen Acala und Triprishta ein enges freundschaftliches Verhältnis, und beide waren unzertrennlich voneinander.

c9.s5.t2.54

In Ratnapura lebte zu dieser Zeit der 1. Prativâsudeva, der König Ashvagriva (Hayagrîva), ein Sohn des Königs Mayûragrîva von Alakâ und der Nilânjanâ. Als er sich einen großen Teil der Welt untertan gemacht hatte, fragte er einst einen Zeichendeuter, ob er von jemandem besiegt und getötet werden würde. Der Wahrsager erwiderte ihm darauf, er werde sein Leben verlieren durch einen Mann, der seinen Gesandten Candavega mißhandeln und seinen Löwen erschlagen werde. Über diese Antwort wurde Ashvagriva sehr niedergeschlagen und sann Tag und Nacht darüber nach, wie er seinem Schicksal entgehen könne. Als er später eine Gesandtschaft an Prajâpati sandte, wurde Candavega tatsächlich von Triprishta beleidigt und der Löwe getötet. Da ergriff ihn ein furchtbarer Haß gegen Triprishta; seine Wut steigerte sich noch, als der Prinz Svayamprabhâ, die Tochter des Vidyâdhara-Königs Jvalanajatî, heiratete, auf

c9.s5.t2.55

*) Das Wort Prajâpati ist doppelsinnig. Es bezeichnet einmal den Herrn (pati) der Untertanen (prajâ), d. h. also den König und sodann den Gott Brahmâ als den Herrn der Geschöpfe (prajâ). Brahmâ ist nach der Mythologie der Hindus mit seiner Tochter Sarasvatî verheiratet.

c9.s5.t2.56

deren Hand er sich selber Hoffnungen gemacht hatte. Er sandte deshalb sofort nach der Hochzeit einen Gesandten zu Jvalanajatî und forderte diesen auf, ihm seine Tochter auszuliefern. Abgewiesen ergrimmte er und zog gegen Triprishta zu Felde. Nach langen Kämpfen wurde er schließlich von diesem besiegt und erschlagen und ging in die Hölle ein.

c9.s5.t2.57

Triprishta unternahm darauf einen großen Eroberungszug durch die halbe Welt und kehrte nach Potana zurück, woselbst er feierlich zum Ardhacakravartî gesalbt wurde. Im Genuß der Herrschaft und im Besitz von 32 000 Frauen versank er in einem Meer von Wollust. Beständig war er von Musikanten umgeben, die durch ihre Lieder sein Herz erfreuten. Seinem Kämmerer hatte er geboten, wenn er eingeschlafen sei, die Sänger herauszuschicken. Hingerissen von der Schönheit ihrer lieblichen Weisen, versäumte dieser es einst, die Spielleute rechtzeitig aus dem Gemach des Königs zu entfernen. Triprishta erwachte wieder und geriet über den Ungehorsam seines Dieners so in Zorn, daß er diesem glühendes Zinn und Kupfer in das Ohr gießen ließ. Der Diener starb sofort an den Folgen dieser grausamen Bestrafung, Triprishta aber gelangte, als sein Leben sein Ende erreicht hatte, zur Sühne für sein Verbrechen, in der Hölle zu neuem Dasein. Acala grämte sich so über den Tod seines Bruders, daß er Mönch wurde und schließlich die Erlösung erreichte.

c9.s5.t2.58

In der Zeit zwischen dem 11. und 12. Tîrthankara erlosch der wahre Glaube auf die Dauer von 3/4 Palyopama.

c9.s5.t2.59

Vâsupûjya, der 12. Tîrthankara, wurde als Sohn des Königs Vasupûjya und seiner Gattin Jayâ in Campâ geboren. Sein Name ist von dem seines Vaters abgeleitet; nach anderer Erklärung soll er andeuten, daß der Prinz den Göttern (Vasu) verehrungswürdig war. Vâsupûjya erlangte das Nirvâna in seiner Heimatstadt Campâ, im 7 200 000. Jahre seines Lebens, 54 Sâgaropamas nach Shreyânsa 63.

c9.s5.t2.60

Zeitgenossen Vâsupûjyas waren Vijaya, der 2. Baladeva, ein Sohn des Königs Brahmâ von Dvârakâ und der Königin Subhadrâ, und Dviprishta, der 2. Vâsudeva, ein Sohn des Brahmâ und der Umâ. Dviprishta bekriegte und siegte den 2. Prativâsudeva, Târaka. Sohn des Königs Shrîdhara von Vijayapura und seiner Gemahlin Shrîmatî. Er eroberte dann einen Teil der Welt und regierte in Dvârakâ. Vâsupûjya bekehrte ihn zum rechten Glauben, doch konnte ihn dies nicht vor der Hölle retten, in die er infolge seiner schlechten Taten einging. Vijaya entsagte der Welt und wurde erlöst.

c9.s5.t2.61

Einige Zeit nach Vâsupûjyas Tode verschwand der Jainaglaube für 1/4 Palyopama.

c9.s5.t2.62

Vimala, der 13. Tîrthankara, stammte aus Kâmpilya, wo sein Vater Kritavarmâ mit seiner Gattin Shyâmâ (Dig.: Suramyâ) herrschte. Die Reinheit (vimalatâ) seiner Mutter gab ihm den Namen, nach anderen der klare Verstand, den diese, noch ehe er geboren war, bei folgender Gelegenheit entfaltet hatte. Ein Mann hatte mit seiner Frau in einem Tempel geschlafen, in welchem ein weiblicher Dämon hauste. Die Hexe verliebte sich in den Mann und nahm die Gestalt seiner Frau an. Der Gatte konnte daraufhin die richtige Frau und die falsche nicht auseinanderhalten und bat den König, zu entscheiden. Die Königin ließ den Mann weit zurücktreten und forderte die beiden Frauen auf, den angeblichen Gatten zu berühren. Die richtige Frau vermochte dieses nicht zu tun, weil der Mann zu weit entfernt war, der Hexe jedoch gelang dies ohne Schwierigkeit, weil Hexen ein großes Ausdehnungsvermögen besitzen. Da wußte man, wer die rechtmäßige Gemahlin war, und konnte den Anspruch der Hexe abweisen⁶⁴. — Vimala starb, 6 000 000 Jahre alt, auf dem Sameta-Berge 30 Sâgaropamas nach Vâsupûjya.

c9.s5.t2.63

⁶⁴ Die Erzählung ist eine Variante der bekannten Geschichte von der falschen und der wahren Mutter (Salomo).

c9.s5.t2.64

Zu Vimalas Zeit lebten der 3. Baladeva, Bhadra (bei den Digambaras: Dharma), und der 3. Vâsudeva Svayambhu, beides Söhne des Königs Rudra von Dvârakâ, der erstere von der Königin Suprabhâ, der letztere von Prithivî. Svayambhu tötete den 3. Prativâsudeva, Meraka, einen Sohn des Königs Samarakesari von Nandanapura und seiner Gattin Sundarî. Nach einem tatenreichen Leben kam Svayambhu in die Hölle, und Bhadra gewann als Mönch die Seligkeit.

c9.s5.t2.65

Zwischen dem 13. und 14. Tîrthankara ging der Jainaglaube während 3/4 Pâlyopama verloren.

c9.s5.t2.66

A n a n t a, der 14. Tîrthankara, wurde in Ayodhyâ als Sohn des Königs Sinhasena und der Suyashâ (Dig.: Sarvayashâ) geboren. Weil er unendliches (ananta) Wissen besaß und seine Mutter im Traum unendlich viele Edelsteinschnüre gesehen hatte, wurde er Ananta genannt. Durch ein herabfallendes Meteor an die Vergänglichkeit alles Irdischen gemahnt, entsagte er der Welt und wurde schließlich auf dem Sameta-Berg erlöst. Sein Leben währte 3 000 000 Jahre, und sein Tod erfolgte 9 Sâgaropamas nach dem Vimalas.

c9.s5.t2.67

Zu seiner Zeit lebte in Dvârakâ ein König Soma. Dieser hatte 2 berühmte Söhne: von seiner Gattin Sudarshanâ den hellglänzenden S u p r a b h a, den 4. B a l a d e v a, und von seiner Gemahlin Sîtâ den dunkelblauen P u r u s h o t t a m a, den 4. V â s u d e v a. Nach Besiegung des 4. P r a t i v â s u d e v a, des Königs Madhu von Prithvîpura, Sohnes des Vilâsa und der Gunavatî, Beherrscher der halben Welt, ging Purushottama in die Hölle, während Suprabha die Seligkeit erwarb 65.

c9.s5.t2.68

In die Zeit zwischen dem 14. und 15. Tîrthankara fällt ein „Tîrthavyavaccheda“ von 1/4 Pâlyopama.

c9.s5.t2.69

D h a r m a, der 15. Tîrthankara, wurde in Ratnapura geboren. Seine Eltern waren der König Bhânu und die Königin Suvratâ. Weil letztere während ihrer Schwangerschaft alle Gebote der Religion (dharma) aufs peinlichste erfüllt hatte, erhielt er den Namen Dharma. Er starb auf dem Sameta-Berge, 1 000 000 Jahre alt, 4 Sâgaropamas nach seinem Vorgänger.

c9.s5.t2.70

Zu seiner Zeit lebten der 5. B a l a d e v a, S u d a r s h a n a, und der 5. V â s u d e v a, P u r u s h a s i n h a, Söhne des Königs Shiva von Ashvapura und der Vijayâ bzw. Ammakâ. Der 5. P r a t i v â s u d e v a war N i s h u m b h a, König von Haripura. Purushasinha tötete ihn, wurde Ardha-cakravartî und gelangte in die Hölle, sein Halbbruder Sudarshana aber zur Erlösung.

c9.s5.t2.71

Nach Dharma wirkte der 3. C a k r a v a r t î M a g h a v a (Maghavân). Er wurde in Shrâvastî geboren, wo sein Vater Samudravijaya mit seiner Gemahlin Bhadrâ herrschte. Ausgestattet mit allen Kleinodien des Weltbeherrschers, machte er sich das ganze sechsteilige Bharata-Land untertan, erkannte aber schließlich in seinem Alter die Unbeständigkeit des Sansâra, übte heiligen Wandel und wurde in einem Götterhimmel wiedergeboren.

c9.s5.t2.72

Der 4. Cakravartî, Sanatkumâra, der nach ihm lebte, wurde in Hastinâpura als Sohn des Königs Ashvasena und der Sahadevî geboren. In allen Künsten und Wissenschaften unterrichtet, wuchs er zusammen mit seinem Freunde, dem Prinzen Mahendrasinha, auf. Als er einst an einem schönen Frühlingstage auf seinem ihm erst kürzlich geschenkten und, was er nicht wußte, verkehrt dressierten Rosse „Meereswoge“ ausritt, ging dieses mit ihm durch, so daß er von seinen Begleitern getrennt und in die Nähe des Mânasa-Sees versetzt wurde. Hier erlebte er zahlreiche Abenteuer, hatte viele Kämpfe zu bestehen, heiratete eine große Zahl von schönen Frauen und wurde zum Kaiser der Vidyâdharas gesalbt. Schließlich wurde er von Mahendrasinha wieder aufgefunden und kehrte mit ihm in die Heimat zurück. Nachdem sein Vater Mönch geworden, herrschte er dort als Cakravartî und erfreute sich des Besitzes der sechsteiligen Erde, gebadet im Nektar unvergleichlichen Glückes. Als er alt geworden war, kamen einst zwei als Brahmanen verkleidete Götter zu ihm, um die weitberühmte Schönheit seines Leibes zu bewundern, nahmen aber wahr, daß sein Körper welk geworden war. Als er dieses dann auch selbst bemerkte, wurde er des Weltlebens überdrüssig und nahm die Weihen. Als Asket ertrug er geduldig alle Krankheiten, die infolge der ungewohnten Lebensweise an ihm zum Ausbruch kamen, obwohl er sie hätte heilen können. Schließlich fastete er sich, 300 000 Jahre alt, auf dem Sameta-Berge zu Tode und wurde im Sanatkumâra-Himmel wiedergeboren, von wo er einst herabsteigen wird, um als ein König von Videha die Erlösung zu erreichen 66.

c9.s5.t2.73

In der Zeit zwischen dem 15. und 16. Tîrthankara erlosch der Jaina-Glaube während 1/4 Palyopama. Dieser Tîrthavyavaccheda war der letzte von denen, welche sich in der Zeit von den „mittleren“ Tîrthankaras ereigneten und welche insgesamt 2 3/4 Palyopamas umfaßten. Von Shânti an verschwand die Jaina-Religion nicht mehr.

c9.s5.t2.74

Shânti, der 5. Cakravartî und 16. Tîrthankara, war ein Sohn des Königs Vishvasena von Hastinâpura und der Königin Acirâ. Weil er schon im Mutterleib das Volk von allem Unheil befreit hatte, wurde ihm der Name Shânti (Ruhe, Frieden) zuteil. In königlicher Pracht wuchs er heran und heiratete die schöne Yashomatî. Diese sah einst im Traum, wie ein Cakra (Diskus) in ihren Mund einging. Er erklärte ihr darauf, dies sei Dridharatha, sein Bruder in einer früheren Geburt, der aus dem Sarvârthasiddha-Himmel herabgestiegen sei, um als sein Sohn wiedergeboren zu werden. Damals habe er selbst als Megharatha einem hungrigen Falken sein eigenes Fleisch zum Fraße dargeboten, um so eine Taube zu befreien, und habe durch diese religiöse Handlung seine gegenwärtige Stellung erlangt. Der angekündigte Sohn wurde dann nach einiger Zeit geboren und Cakrâyudha genannt. Shânti regierte sein Land voll Kraft und eroberte die ganze Welt, Arier und Barbaren gleicherweise seinem Szepter unterwerfend. In seiner Hauptstadt wurde er feierlich zum 5. Cakravartî gesalbt. Als er 25 000 Jahre geherrscht, entsagte er der Welt und übergab Cakrâyudha die Herrschaft. Zum Tîrthankara geworden, machte er Cakrâyudha zu seinem Hauptschüler, nachdem dieser seinen Sohn Kavacahari zu seinem Nachfolger eingesetzt hatte. Im Alter von 100 000 Jahren wurde er auf dem Sameta-Berge erlöst, 3 Sâgaropamas weniger ¾ Palyopama nach Dharma.

c9.s5.t2.75

Kunthu, der 6. Cakravartî und 17. Tîrthankara, stammte ebenfalls aus Hastinâpura; seine Eltern waren Sûra und Shrîdevî. Kunthu hieß er nach dem Juwelenhaufen, von dem seine Mutter geträumt hatte. Nach siegreichen Feldzügen wurde er Kaiser des Bharata-Landes, widmete sich dann aber der Askese und der Verbreitung der reinen Lehre und ging, 95 000 Jahre alt, ½ Palyopama nach Shânti vom Sameta-Berg aus in das Nirvâna ein.

c9.s5.t2.76

Ara, der 7. Cakravartî und 18. Tîrthankara, war ebenfalls aus Hastinâpura gebürtig, wo sein Vater Sudarshana und seine Mutter Devî (Mitrâ) herrschten. Von einem Rad (ara), das seine Mutter im Traum gesehen, erhielt er seinen Namen. Nach ruhmvollem Kaisertum erlangte er die Seligkeit im Alter von 84 000 Jahren auf dem Sameta-Berge, 1/4 Palyopama weniger 1000 Kotis von Jahren nach Kunthu.

c9.s5.t2.77

Während der Zeit, zu welcher Ara Tîrthankara war, wurden dem König Mahâshiva (Mahâshiras) in Cakrapura zwei Söhne geboren, der erste, von seiner Gattin Vaijayantî, war der 6. Baladeva, Ânanda, der andere, von der Lakshmivatî, der 6. Vâsudeva, Purusha-pundarîka. Der 6. Prativâsudeva, König Bali, der Purusha seine Frau rauben wollte, wurde von ihm besiegt und getötet; Purusha herrschte dann lange Zeit hindurch und gelangte schließlich in die Hölle, während sein Halbbruder erlöst wurde.

c9.s5.t2.78

Der 8. Cakravartî, Subhûma (Subhauma) der nach ihnen lebte, war ein Sohn des Königs Kritavîrya und seiner Gattin Târâ. Seine Lebensgeschichte ist aufs engste mit der Parashurâma-Sage der Jainas verknüpft, die wieder in andere Sagenkreise übergreift. Zwei Götter stritten sich darüber, ob der Jaina- oder der Shaiva-Glaube der richtige sei; um festzustellen, wer von ihnen recht habe, beschlossen sie zwei Büßer dieser beiden Religionen zu prüfen. Nachdem ein Jaina die Probe glänzend bestanden hatte, begaben sie sich zu dem Brahmanen Jamadagni und setzten sich, in Sperlinge verwandelt, in dessen Bart. In ihrer Unterhaltung sprachen sie davon, daß Jamadagni ein großer Sünder sei, weil er Askese übe, ohne zuvor einen Sohn erzeugt zu haben. Durch diese Worte wurde Jamadagni so verblendet, daß er ein Weib zu freien begehrte — wodurch die geistige Unsicherheit der brahmanischen Asketen und die Überlegenheit der Jaina-Sâdhus schlagend dargetan wurde. Unter dem Einfluß seiner Begierden begab sich Jamadagni zu dem König Jitashatru und bat ihn um eine seiner hundert Töchter. Als die Mädchen den mageren Almosenempfänger kommen sahen, spuckten 99 von ihnen vor ihm aus und weigerten sich, den Büßer zu heiraten. Ergrimmt hierüber verfluchte Jamadagni sie, so daß sie alle bucklig wurden. Die hundertste Tochter aber, Renukâ, erklärte sich bereit, den häßlichen Alten zum Mann zu nehmen. Jamadagni heiratete sie, nachdem er die anderen Mädchen gesund gemacht hatte, und zog mit ihr in den Wald, wo er sich welken Leibes, aber unverwelklicher Begierde voll, mit ihr in Liebe vergnügte. Als die Zeit der Regel der Renukâ herannahte, machte der Büßer einen Topf mit Opfermus zurecht und gebot der jungen Frau, den Inhalt zu genießen, da sie dann einen mit allen Brahmanentugenden gezierten Sohn gebären würde. Auf Renukâs Bitten stellte er noch eine zweite Speise für ihre Schwester, die Gemahlin des Königs Anantavîrya von Hastinâpura her, damit diese einem ausgezeichneten Kshatriya-Knaben das Leben schenke. Renukâ aber dachte bei sich, es sei besser, einen starken, kriegerischen Sohn zu haben, als einen, der als ein Büßer gleich den Tieren des Waldes in der Wildnis lebe. Sie vertauschte deshalb die Töpfe. Da wurde nach einiger Zeit Râma als Sohn der Renukâ und Kritavîrya als Sohn der Schwester geboren. Râma wurde ein starker Kriegsheld und erhielt von einem Vidyâdhara ein zauberkräftiges Beil (parashu); er wurde deshalb Parashurâma genannt.

c9.s5.t2.79

Renukâ ging einst nach Hastinâpura, um ihre Schwester zu besuchen. Ihr Schwager Anantavîrya begann mit der Frau des Büßers ein Liebesverhältnis, dem ein Sohn entsprang. Als Renukâ mit letzterem zu ihrem Gatten in den Wald zurückkehrte, erschlug Râma beide. Um ihren Tod zu rächen, drang Anantavîrya in die Einsiedelei ein und vernichtete diese völlig in Abwesenheit Râmas. Râma tötete darauf Anantavîrya. Kritavîrya, der an seiner Stelle König geworden war, brachte Jamadagni um, fiel selbst dann aber Râmas Beil zum Opfer. Râma eignete sich darauf in Hastinâpura die Herrschaft an und ließ alle Kshatriyas niedermetzeln. Kritavîryas Witwe Târâ aber, die guter Hoffnung war, wurde von Büßern gerettet und schenkte im Walde einem Sohne Subhûma das Leben, den 14 Träume als künftigen Weltbeherrscher ankündigten.

c9.s5.t2.80

Unterstützt von dem Vidyâdhara Meghanâda, der ihm seine Tochter zur Frau gegeben, zog Subhûma nach Hastinâpura und tötete Parashurâma. Er eroberte darauf das sechsteilige Bharataland und veranstaltete zur Vergeltung für den Kriegermord Parashurâmas große Brahmanenverfolgungen. Schließlich wollte er auch den Dhâtakikhanda erobern und schickte sich an, zu diesem Zweck, aller Warnungen seiner Minister ungeachtet, den Ozean auf dem ,,Fell- Kleinod“ zu überschiffen. Auf dem Meere aber ließen die das Gefährt tragenden Götter dieses los, weil sie ermüdet waren und sich ausruhen wollten. Da ertrank Subhûma im Meere und wurde wegen seiner Gier in der Hölle wiedergeboren.

c9.s5.t2.81

In der Zeit danach lebten der 7. Baladeva, Nandana, und der 7. Vâsudeva, Datta, beides Söhne des Königs Agnisinha von Benares, der erstere von der Jayantî, der letztere von der Sheshavatî. Der 7. Prativâsudeva, Prahlâda, König der Vidyâdhara-stadt Sinhapura im Vaitâdhya-Gebirge, wurde von Datta besiegt und getötet, worauf Datta, nachdem er die halbe Welt beherrscht, in die Hölle versank, Nandana aber als Mönch die Erlösung gewann.

c9.s5.t2.82

Malli, der 19. Tîrthankara, stammte aus Mithilâ (Mathurâ), woselbst König Kumbha mit seiner Gattin Rakshitâ (Prabhâvatî) herrschte. Nach der Anschauung der Digambaras war Malli ein Mann wie alle anderen Tîrthankaras, und sein Leben spielte sich in denselben Formen ab wie das der übrigen. Die Shvetâmbaras hingegen, welche es für möglich halten, daß auch Frauen erlöst werden können, verehren in Malli den einzigen weiblichen Tîrthankara. Die Ursache des eigenartigen Umstandes, daß Malli als eine Frau auf die Welt kam, war nach ihnen folgende. Malli war in einer früheren Existenz ein König Mahâbala (Vaishramana). Zusammen mit mehreren Freunden hatte er der Welt entsagt und war Asket geworden. Um in einem späteren Leben wieder zusammen geboren zu werden, waren sie übereingekommen, sich stets in genau demselben Maße zu kasteien. Entgegen der Verabredung fastete Mahâbala aber etwas länger als seine Genossen und band dadurch, im Gegensatz zu ihnen, das die Würde eines Tîrthankara verleihende Karma. Der Trug (Mâyâ), den er seinen Freunden gegenüber geübt, mußte sich naturgemäß aber auch auswirken; er ließ ihn das Karma „Strî-veda“ hervorbringen, das die Wiedergeburt als Weib verursacht. So wurde er denn, nachdem er mit seinen Genossen im Götterhimmel Vaijayantî himmlische Wonnen genossen, auf Erden ein Weib. Da die Königin Prabhâvatî während ihrer Schwangerschaft das Gelüste gehabt hatte, auf Blumenkränzen (mâlya) zu ruhen, welchen Wunsch ihr die Götter erfüllten, wurde die neugeborene Tochter Malli genannt.

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