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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c9.s5.t3.7

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c9.s5.t3.7

Language
German

c9.s5.t3.7

Der religiöse und philosophische Wert der Jaina-Lehre ist in Indien und Europa von jeher sehr verschieden beurteilt worden. Der Meinung der Jainas, daß ihre Religion die vollendetste der Welt sei, haben Europäer wie H. Warren⁸⁵ und O. Pertold⁸⁶ beigepflichtet. Letzterer bezeichnet den Jainismus als die höchste denkbare Religionsform, weil in ihm die drei Elemente wahrer Religiosität — das Emotionale, Intellektuelle und Praktische — sich das Gleichgewicht halten, weil sein Begriff vom höchsten Wesen gleich der Idee von Nietzsches Übermenschen eine vollendetere Konzeption eines weltüberlegenen Geistes darstelle, als die Vorstellung eines Schöpfergottes, weil seine Ahinsâ-Ethik weitgehender und in ihrer praktischen Anwendung wirkungsvoller sei als alle Moralprinzipien anderer Glaubenslehren usw. Demgegenüber haben sich andere nicht genug darin tun können, die Jaina-Lehre herabzusetzen. Shankara hat sie mit dem Geschwätz von Betrunkenen und Verrückten verglichen, Kabîr hat sie als Irrglauben gebrandmarkt, Dayânand Sarasvatî hat sie ins Lächerliche gezogen und ihre Anhänger als Phantasten und Dummköpfe hingestellt 87. Westliche Kritiker haben ebenso scharf geurteilt, wenn sich einer von ihnen zu dem Satz verstieg: „Eine Religion, in welcher als Hauptpunkte gelehrt werden, Gott zu leugnen, den Menschen zu verehren und Ungeziefer zu füttern, hat keine Existenzberechtigung.“ 88