Die Religion des Veda c5.s1.20
Die Religion des Veda c5.s1.20
- Language
- German
c5.s1.20
Wir wiesen schon oben (S. 7) darauf hin, daß die jüngeren Teile des Ṛgveda die eben hervorgehobenen Lücken wenigstens zum Teil ausfüllen. Aber doch nur zum Teil. Die geringe Masse der Materialien gibt dem aus ihnen zu gewinnenden Bilde vom Seelenglauben, Dämonenglauben, Zauberwesen auch nicht annähernd eine solche Vollständigkeit und Lebendigkeit, daß wir auf den Reichtum der aus den jüngeren Veden zu gewinnenden Ergänzungen verzichten könnten. Und in mancher Beziehung glaubt man auch an dem wenigen, was der Ṛgveda hier bietet, eine Nachwirkung der vornehmen, eng begrenzten Exklusivität zu bemerken, die in den älteren Schichten jener Poesie so sehr hervortritt. So zeigt sich der Unsterblichkeitsglaube in den Totenliedern des letzten, jüngsten Ṛgvedabuchs durchaus in der Färbung der Aristokratie, deren Angehörige gewiß sind, in der lichten Himmelswelt von ihren göttlichen Freunden mit hohen Ehren empfangen zu werden. Die Vorstellungen aber von den in der Erdtiefe hausenden Seelen, von den Seelen, welche Gräber und menschliche Wohnungen umschweben und umschwirren, von den in Tiere eingegangenen Seelen, von Gespenstern: all das liegt so gut wie ganz außerhalb des Horizontes jener Totenlieder. —