Die Religion des Veda c5.s4.8
Die Religion des Veda c5.s4.8
- Language
- German
c5.s4.8
An die mannigfachen Zweige der vedischen religiösen Überlieferung, die wir hier überblickt haben, schließt sich, wie bekannt, geschichtliche Tradition aus vorbuddhistischer Zeit nicht an; bis auf geringfügige, für uns nicht in Betracht kommende Fragmente ist hier eine Lücke. Wie schwer unsere Untersuchungen unter den Konsequenzen dieser für den indischen Geist so charakteristischen und für die Erforschung Indiens so beklagenswerten Erscheinung zu leiden haben, bedarf keines Wortes. Schon der Mangel aller festen Chronologie trifft uns hart; vor allem aber dies, daß es uns versagt ist, die Kräfte des Kultwesens in den Ereignissen des geschichtlichen Lebens funktionieren zu sehen. Einen gewissen Ersatz gewährt zunächst die altbuddhistische Literatur mit ihrer Dichtung und Wahrheit aus der Zeit und dem Leben des Buddha und seiner Jünger, sowie mit der sonstigen Fülle ihrer bald auf dem Boden menschlicher Wirklichkeit, bald im Märchenlande spielenden Geschichten und Fabeln; sodann die neuerdings immer eindringender durchforschte Literatur der Jainas; weiter die Poesie der großen Epen und überhaupt die spätere erzählende und auch die dramatische Literatur. Die Bedeutung dieser Texte für die lebendige Ausmalung der religiösen Vorstellungswelt braucht nicht erst hervorgehoben zu werden; sie wird sich uns, wenn es auch die Kräfte des einzelnen übersteigt mehr als einen kleinen Teil dieser ungeheuren Materialmassen zu bewältigen, vielfach bestätigen. Was würde uns, um nur ein Beispiel herauszugreifen, der Veda etwa über den für den ganzen Vorstellungskreis des Lebens nach dem Tode so wichtigen Gespensterglauben lehren? Hier müssen Quellen wie die buddhistische Gespenstergeschichtensammlung (Petavatthu) und ähnliches ergänzend eintreten: wo dann freilich die Untersuchung die dringende Pflicht hat, sich beständig der Bedenken, die aus der Verwendung so viel jüngerer Materialien hervorgehen, bewußt zu bleiben und sich mit allen erreichbaren Kautelen zu umgeben.
Cites (1)
- Petavatthu — Pāli