Die Religion des Veda c5.s5.16
Die Religion des Veda c5.s5.16
- Language
- German
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bald vereinzelt, bald zu kompakten Massen zusammengeschlossen, wird Altes in die neue Zeit hineinragen. Wie einschneidend also auch die Wandlungen der religiösen Vorstellungswelt gewesen sein mögen, die sich an Zarathustras Namen knüpfen, darf doch der ganze Untergrund unausrottbarer mythischer Anschauungen und Kultgebräuche nicht übersehen werden, die sich aus der Vergangenheit in die zarathustrische Religion hinübergerettet haben und sie mit der vedischen verbinden. Es ist wahr, daß beispielsweise eine solche Hauptgestalt der alten Mythologie wie Indra der Vṛtratöter aus dem Awesta wenigstens halb verschwunden ist: und doch bezeichnet der siegreiche Gott Verethraghna auch im Awesta noch deutlich die Stelle, an der einst der uralte Gewittergott gestanden hat. Vollends die erhaben königliche Gottheit jenes großen Asura, der im Veda und auf den Inschriften von Boghazköi (oben S. 24) unter dem Namen Varuṇa auftritt, im Awesta der höchste Herr alles Guten Ahuramazda ist, hat sich bei beiden Nationen bis zu Detailzügen übereinstimmend erhalten. Wie Varuṇa so ist der awestische Ahura der höchste Herr des Rechts oder der Ordnung (vedisch *ṛta*, dasselbe Wort wie awestisch *aša*); wie Varuṇa so bildet der awestische Ahura ein eng verbundenes Paar mit Mitra; wie Varuṇa so ist Ahura der erste in einem Kreis von sieben Göttern;
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wie Varuṇa die Sonne bewahrt, daß sie nicht vom Himmel herabfalle, wie er ihr den Weg über das Himmelsgewölbe bahnt, hält Ahura die Erde, daß sie nicht herabfalle, und bahnt der Sonne und den Sternen ihren Weg¹). Und weiter kann man hinzufügen: der ganze Typus solcher Götter²), die mit schnellen Rossen auf ihren Streitwagen das Luftreich durcheilen, licht und wahr, unberührt oder doch wenig berührt von Zügen der Tücke, Grausamkeit, Wollust, freilich auch nicht teilhaft des Geheimnisses olympischer Götterschönheit: dieser Typus des zu himmlischer Höhe erhobenen fürstlichen Ariers prägt sich in der awestischen so gut wie in der vedischen Götterwelt aus. Ähnlich steht es mit den eng verwandten und wechselseitig sich erklärenden Vorstellungen beider Nationen vom ersten Menschen und ersten Toten, dem Beherrscher der Toten, Yama des Vivasvant Sohn (awestisch Yima Sohn des Vīvahvant). Ähnlich ferner steht es mit dem Opfer. Beide Völker brachten als vornehmste Spende den berauschenden Saft des Soma (Haoma) dar¹), den die Priester beider als den Herrn der Pflanzen, den auf den Bergen wachsenden, vom himmlischen Regen genährten, vom Adler oder den Adlern herabgebrachten feierten. In Iran wie in Indien preßte man den Saft der Somapflanze aus, reinigte ihn mit dem Haarsieb und mischte ihn mit Milch und Wasser.
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Der rechte Somatrinker freilich fehlt dem awestischen Opfer, Gott Indra: er hatte der zarathustrischen Vergeistigung des religiösen Wesens das Feld räumen müssen, und so war hier das Gelage des trunkenen Gottes zu einem Gewirr von Weihungen und symbolgewordenen Überlebseln aller Art abgeblaßt. Die ursprüngliche Verwandtschaft des beiderseitigen Rituals bleibt aber doch überall sichtbar. So befand sich auf dem awestischen wie auf dem vedischen Opferplatz ein Polster oder Bündel von Pflanzen, ursprünglich gedacht als Sitz der Gottheit, von beiden Völkern mit eng verwandten Namen benannt (Barhis, Baresman)²), von den Iraniern, wenn sich auch bei ihnen die äußere Form der Verwendung geändert hatte, doch ebenso wie von den Indern als „ausgebreitet“ (*stereta*, *stīrṇa*) bezeichnet: den frommen Opferer hieß man danach in beiden Ländern den Mann mit ausgebreitetem Barhis oder Baresman.
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Bei beiden Völkern trug ein mit demselben Namen benannter Priester (Hotar, Zaotar) sitzend jene Gebete vor, deren enge Verwandtschaft in ihrem poetischen Charakter wir schon berührt haben: aus den priesterlichen Bitten der Zarathustrier um geistliche Güter hebt sich manche Formel heraus, die dem Awesta mit dem Veda gemeinsam ist und uns die Gebetssprache der indoiranischen Zeit vor Augen stellt — die Bitte, hinüberzugelangen über die Hasser, bewahrt zu bleiben vor Dieb und Wolf, daß Vieh und Mannen gedeihen, daß das Roß schnell sei in den Schlachten, daß tüchtige männliche Nachkommenschaft das Geschlecht fortsetze, oder auch, indem der Beter sich ganz in die göttliche Hand gab, die Bitte, daß alles geschehen möge so wie die Gottheit es will.