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Die Religion des Veda c6.s1.34

Die Religion des Veda c6.s1.34

Language
German

c6.s1.34

Treten nun solche Mythen, die man im Vergleich mit den komplizierten jüngeren Gebilden als mythische Moleküle oder Monaden bezeichnen möchte, miteinander zu Vereinigungen zusammen, so wird man in dem Ergebnis nicht etwa das mythische Bild eines längeren, verwickelteren Naturvorgangs zu sehen haben. An die Natur direkt reichen nur die Elemente heran; ihre Verbindung spiegelt nicht mehr eine Verkettung von Naturvorgängen wider, sondern ist das freie Werk von Dichtung und Spekulation. Meist aber wachsen jene Monaden nicht durch gegenseitigen Zusammenschluß, sondern durch Herantreten von Elementen anderer Herkunft. Die Phantasie benutzt die alten Motive als Ausgangspunkt für ihr selbständiges Schaffen¹. Sie mischt den Mythen Züge aus den Reichtümern der sicher schon in ältester Zeit massenhaft vorhandenen Märchen bei. Das Bedürfnis nach dichterischer Ausschmückung und Abrundung macht sich geltend; die Erfordernisse einer naturwüchsigen Poetik fangen zu wirken an. Wenn der himmlische Trank durch einen Vogel dem Gott gebracht wird², so fügt die Phantasie, angeregt durch den im menschlichen Leben gewohnten Gang der Dinge, hinzu, daß der Wächter, der den Trank zu hüten hat, den Vogel hart verfolgt. Er schießt: trifft er? Eine Feder fällt; der Vogel selbst aber entkommt glücklich mit seinem kostbaren Raube. Bedeutet der Schuß einen Naturvorgang, die Feder ein Naturobjekt? Ich glaube nicht. Die Episode beruht wohl nur auf dem Streben dem ganzen Vorgang Leben zu verleihen, eine Spannung zu schaffen, die sich dann glücklich löst: ein den Jägern und Jagdgeschichten jener Zeiten gewiß geläufiges Vorkommnis gab das Motiv her.