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Die Religion des Veda c6.s1.37

Die Religion des Veda c6.s1.37

Language
German

c6.s1.37

Besonders gern übernehmen die Götter auch eine aus ihrer Naturwesenheit keineswegs herzuleitende Rolle in zahlreichen Geschichten, die bestimmt sind, den Ursprung irgendeiner die Neugier erregenden Besonderheit im Naturlauf, bei Tieren oder Pflanzen, in menschlicher Sitte und Ordnung zu erklären. Und weiter mußte der Glaube an das göttliche Eingreifen in das Menschenleben Erzählungen schaffen, welche dies Eingreifen veranschaulichten, die Götter als Spender der von ihnen erhofften Gaben, Segnungen, Rettungen zeigten. Indra ist der Stärkste der Starken: so pflegt er handelnd aufzutreten, wo es gilt, zum Besten eines Götterlieblings einen mächtigen Gegner zu überwinden. Die Aśvin bringen nach den Schrecken der Nacht das freundliche, rettende Licht: so erscheinen sie stehend um die von dunklen Gefahren Bedrängten zu Heil und Rettung zu führen ¹). Die Apsaras, die reizgeschmückte Nymphe, übernimmt die Rolle der Geliebten oder Gattin des menschlichen Helden. Dieser Held selbst aber ist natürlich wenigstens in den Erzählungen, wie sie in den höheren Gesellschaftskreisen umliefen, in der Regel eine hervorragende Persönlichkeit: etwa ein König und berühmter Krieger der Vorzeit oder — man berücksichtige die Rolle des Priesterstandes bei der Bildung der vedischen Traditionen — der Begründer, Ahnherr, Namengeber einer Priesterfamilie. Die Motive dieser Erzählungen entstammen den verschiedensten Gebieten des menschlichen Lebens oder wenigstens den Gebieten, mit denen ansehnlichere Personen in Berührung kommen, dem Krieg und Sport, sodann den mannigfachen Situationen des Familienlebens. Den priesterlichen Dichter beschäftigt angelegentlich die Frage, wie die Menschen opfern gelernt, und weiter, wie die Götter dieses oder jenes berühmte Opfer der Vorzeit mit besonderem Segen belohnt haben: wo denn der Bereich der mythischen Erzählungen unmerklich in den der Erinnerungen an wirklich Geschehenes verläuft ²).