Die Religion des Veda c6.s1.43
Die Religion des Veda c6.s1.43
- Language
- German
c6.s1.43
stehenden Völkern reicht. Auf dem gemeinsamen Untergrund jenes Glaubens erbaut sich dann im Fortschritt der Entwicklung eine höhere Götterwelt, auf dem gemeinsamen Untergrund dieses Zauberwesens ein höherer Kultus, beide verschieden gestaltet je nach Charakter und Schicksalen des einzelnen Volks. Aber jene niederen Formen religiösen Wesens, von den zunftmäßigen Vertretern des fortgeschrittenen Glaubens gern in den Hintergrund gedrängt und doch selbst von ihnen nie ganz fallen gelassen, behaupten sich in vielen Resten inmitten der höheren Bildungen und erhalten sich vollends nahezu unverändert in ihrer alten rohen Gestalt in den tieferstehenden Schichten des Volkes. Mit dieser hier kurz angedeuteten, durch vielfältigste Forschungserfahrungen bestätigten Auffassung des Hergangs stehen die Tatsachen der vedischen Überlieferung in überzeugendem Einklang. Hindeutungen auf den Glauben an eine weitverzweigte Dämonenwelt durchziehen auch die älteren Schichten der ṛgvedischen Poesie, und wenn diese Hindeutungen spärlich und inhaltsarm sind, so erklärt sich das genugsam aus dem Charakter dieser eben auf ganz anderes gerichteten Hymnen; es wäre gegen alle Wahrscheinlichkeit, wollte man darum annehmen, daß den betreffenden Vorstellungen selbst die später ihnen eigene bunte und derbe Konkretheit damals noch gefehlt habe. Und wie die Hymnendichtung finden wir auch das Opferritual gleich auf der ältesten Stufe, auf der wir es in der nötigen Detailliertheit kennen lernen, durchsetzt von Gebräuchen, die von der Denkweise des primitiven Zauberwesens erfüllt sind¹). Unzweifelhaft haben wir hier das Stratum der uralten Vorstellungs- und Zauberkultformen erreicht, die hinter allem höheren religiösen Wesen wie Gebilde einer religionsgeschichtlichen Steinzeit den Hintergrund bilden.