Die Religion des Veda c6.s1.59
Die Religion des Veda c6.s1.59
- Language
- German
c6.s1.59
¹ Doch ist die Kluft natürlich nicht unüberbrückbar. Daß einzelne der abstrakten Götter sich fähig erwiesen haben, erheblichen konkreten Gehalt in sich aufzunehmen, wird alsbald zur Sprache kommen. Hier sei erwähnt, daß Pūṣan, ein seinem ursprünglichen Wesen nach dunkler, vielleicht von Haus aus durchaus konkreter Gott, sich zu dem entwickelt hat, als was er auch ausdrücklich benannt wird, einem „Herrn des Weges“ (*pathas pati*): ganz einem Exemplar des eben besprochenen Typus gleichend. Eine Art Mittelstellung zwischen dem Typus Indra und den Typen Dhātar oder Vāstoṣpati nehmen die Götter der ersteren Art ein, sofern sie mit einem Beinamen der zweiten Art versehen sind. Einzelnes derartiges erscheint schon im Ṛgveda. Zwar einen Fall wie Agni Vaiśvānara („den allen Männern gehörenden A.“) möchte ich nicht unter diese Formel bringen; der Beiname hat hier andere Natur. Wohl aber beispielsweise die „Wärme schaffenden Maruts“ (VII, 59, 9), den „leichenfressenden Agni“ (X, 16, 9 f.), „Agni den Reichtumspender“ (I, 96) u. a. m. In den jüngeren Veden nimmt derartiges dann überhand (s. z. B. Taitt. S. I, 8; II, I f.): da ist Indra der Geber, Indra der Spender, Varuṇa der Ordnungsherr und Ähnliches in großer Menge Natürlich sind das nicht jedesmal besondere göttliche Persönlichkeiten, sondern die geläufigen Götter, an denen eine besondere Eigenschaft hervorgehoben wird, um sie mit einem bestimmten kultischen Zweck zu verknüpfen. Hier trifft nun „Indra der Hüter“ mit dem selbständigen „Gott Hüter“ zusammen. Diesen darum für losgelöst aus jener Erscheinungsform Indras zu halten, ist kein Grund, und es wird durch die Zugehörigkeit des Gottes Hüter zu dem weitverbreiteten, offenbar Anerkennung seiner Selbständigkeit verlangenden Typus durchaus widerraten.
Cites (2)
- Kṛṣṇayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit