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Die Religion des Veda c6.s1.63

Die Religion des Veda c6.s1.63

Language
German

c6.s1.63

Mannigfachste Bewegung durchzieht das Weltleben: wer ist ihr Erreger? Diese Frage zu beantworten schuf man den in der ṛgvedischen Zeit schon fertig vorliegenden, ja offenbar schon damals durch ein Stück Entwicklung hindurchgegangenen Gott „Erreger“ oder „Antreiber“ Savitar²), dessen Name sein Wesen ausspricht: er streckt seine goldenen Arme aus alle Bewegung anzutreiben, die im Himmel und auf Erden vor sich geht. Wie vom Gott „Macher“ (Dhātar) gern das Verb „machen“ (*dhā*), vom Gott „Hüter“ das Verb „hüten“ (*trā*), so wird von diesem Gott „Antreiber“ immer und immer wieder das Verb „antreiben“ (*sū*) gebraucht, ohne Präfix und mit Präfixen, in Verbalformen und in nominalen Ableitungen: immer wieder ist die Pointe der an ihn gerichteten Verse, daß er antrieb, antreibt, antreiben soll. Die Objekte, auf die sich dieses Antreiben richtet, sind die verschiedensten: Menschen, Götter, Tiere, Lebende und Tote, Wasser und Licht¹). Wie er die Menschen morgens antreibt ihr Werk zu tun, läßt er abends Mensch und Tier zur Ruhe gehen. Die Sonne läßt er ihren Tageslauf beginnen und läßt die Nacht kommen. Da die Sonne die mächtigste Bewegung im Weltall selbst vollendet und damit alle andere Bewegung beherrscht, steht Savitar natürlich zu ihr in besonders enger Beziehung, und es besteht Neigung Attribute des Sonnengottes auf ihn zu übertragen. Aber es hieße die Struktur dieses ganzen Vorstellungskomplexes verkennen, wollte man darum den ursprünglichen und noch den ṛgvedischen Savitar für einen Sonnengott erklären. Das Wesentliche an der Konzeption Savitars ist nicht die Vorstellung der Sonne, auch nicht die Vorstellung der Sonne in einer bestimmten Richtung, insofern sie nämlich zu Leben und Bewegung antreibt: sondern das Wesentliche ist der abstrakte Gedanke dieses Antreibens selbst. Er gibt den Rahmen her, der die Savitar betreffenden Vorstellungen umfaßt.