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Die Religion des Veda c6.s1.82

Die Religion des Veda c6.s1.82

Language
German

c6.s1.82

So finden wir in vedischer Zeit Tiere, die dazu irgendwelchen Anlaß geben, als Gattung und als Individuen göttlich oder dämonenhaft verehrt. Weiter aber sind die im Vordergrund stehenden mehr oder minder menschenähnlichen großen Götter von einer Art göttlicher Tierwelt umgeben: zahlreiche niedere Götter, besonders aber götterfeindliche Wesen, krankheitstiftende Dämonen u. dgl. sind tiergestaltig¹). Häufig begegnen, in der Regel in längeren Aufzählungen angerufener Götter, zwei Wesen, welche die Fähigkeit selbständig aufzutreten kaum mehr haben und eben nur als Überlebsel fortgeführt zu werden scheinen: die „Schlange vom Grunde“ und der „einfüßige Ziegenbock“ (*ahi budhnya* und *aja ekapād*). Über beider Wesen wissen wir wenig Bestimmtes. Die Schlange hat ihren Wohnsitz am Grunde der Gewässer. In Wassern wohnende Schlangen treten in den Mythologien der verschiedensten Völker auf; auch in der späteren indischen Literatur begegnet die Vorstellung vom Wasser als der Heimat der Schlangendämonen. Der Ziegenbock wird als Träger aller Wesenheiten, als Stütze von Himmel und Erde beschrieben; er scheint mit seinem einen Fuß als eine Art tierisch-dämonischer Säule gedacht, auf der das Universum ruht²). — Kuhförmige oder zwischen dieser und der menschlichen Gestalt schwankende Göttinnen treten mehrfach auf. Die von der Kuh kommende Nahrungsfülle, für Hirtenstämme der Inbegriff alles gedeihlichen Segens, ist in der Göttin Iḍā personifiziert: wenn dieser der Ṛgveda einmal „Hände voll Butter“, also doch wohl menschliche Gestalt beilegt und eine Legende der Brāhmaṇazeit sie als Weib, Tochter des Manu, mit butterbeströmten Fußstapfen beschreibt, so erscheint sie im Ṛgveda doch auch anderseits als Kuh, als Mutter der Herde, und im Opferritual wird die Kuh mit dem Spruch herangerufen: „Iḍā komm, Aditi komm!“¹). Der zweite Teil dieser Formel lehrt uns eine weitere kuhgestaltige Göttin kennen. Aditi²), die Mutter der sieben Lichtgötter, selbst, wie ihr Name sagt, die Freiheit verkörpernd und in vielen vedischen Gebeten mit der Idee der Befreiung von Sündenschuld eng verknüpft, ist doch zugleich Kuh; die von ihr abstammenden Götter sind „kuhgeboren“: inmitten eines hochentwickelten, ethisch vertieften Vorstellungskreises die Spur, scheint es, eines primitiven Mythus, der die Himmelslichter von einer göttlichen Kuh geboren werden läßt. Eine andere Kuh, die „Bunte“ (Pṛśni), ist die Mutter der Maruts. — Die Göttin Saraṇyū wird Stute³) und gebiert die beiden Aśvin, die „Rosseherren“: dürfen wir nicht — wie längst vermutet worden ist — diese Götter als von einer Anthropomorphisierung betroffen auffassen, der ihre mehr im Hintergrund stehende Mutter entgangen ist, so daß die Rosseherren, die Kinder der Stute, selbst einst göttliche Rosse waren⁴)?

Cites (1)