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Die Religion des Veda c6.s1.92

Die Religion des Veda c6.s1.92

Language
German

c6.s1.92

Weiter erscheinen eine Anzahl Tiere als Besitz der Götter oder ihnen dienend: so der Adler, der Indra den Soma bringt; die Götterhündin Saramā, welche die verborgenen Kühe aufspürt, die Kühe selbst, die der Gott den Feinden abnimmt, die Rosse, die Indra und andere Götter, die Ziegenböcke, die Pūṣan ziehen usw. An sich stehen derartige Tiere mit dem herrschenden Anthropomorphismus im besten Einklang; wie der Mensch Tiere besitzt, muß auch der menschengleiche Gott dieselben Tiere besitzen, oder ihm werden auch hier und da andere Tiere dienen, entsprechend dem wunderhaften Charakter göttlichen Daseins. Doch kann wenigstens im einen und anderen Fall gefragt werden, ob das Tier, das dem Gott gehört, nicht ein bei fortschreitender Anthropomorphisierung übrig gebliebener Rest eines Tieres ist, das der Gott war oder dessen Gestalt er anzunehmen pflegte. Daß die „Rosseherren“ (*aśvin*), die Kinder der Stute, einmal selbst roßgestaltig gewesen seien, wurde schon als Vermutung ausgesprochen. Was den somaholenden Adler Indras anlangt, berücksichtige man zunächst die iranische Parallele. Der Vogel Vārenjina oder Vāraghna, den eine Münze adlerähnlich auf dem Helm des Vṛtratöters zeigt, wird im Awesta als Inkarnation des Gottes beschrieben: Verethraghna³) erscheint in Gestalt des Vogels Vāraghna, des schnellsten aller Vögel, der um die Morgenröte auffliegt⁴). Weiter ist der germanische Mythus zu vergleichen, welcher der Geschichte vom Somaraub zu entsprechen scheint: hier verwandelt sich der Gott selbst in einen Adler und fliegt mit dem Met des Suttung zum Götterreich. So dürfen wir fragen, ob nicht Indras Adler der Rest einer Inkarnation Indras in Adlergestalt ist¹). — Ähnlich könnten Pūṣans Ziegenböcke auf ursprüngliche Bocksgestalt dieses Gottes hinweisen. Pūṣan ist der Kenner aller schwierigen Pfade, der vor Verirren bewahrt, die Ziege andererseits das Tier, das auf unwegsamstem Boden seinen Weg findet. Wenn beim Roßopfer dem Roß ein Ziegenbock „als Pūṣans Teil, den Göttern das Opfer anzumelden“ (Ṛv. I, 162, 2—4), also doch wohl als Führer auf dem Weg in die Götterwelt beigegeben wird und ein ähnlicher Gedanke wohl auch bei dem Ziegenbock im Spiel ist, der bei der Bestattung mit der Leiche verbrannt wird²), so würde die Annahme einer Bocksgestalt Pūṣans diesen Riten einen besonders ausgeprägten Sinn verleihen. Doch läßt sich hier natürlich nicht über unbeweisbare Vermutungen hinauskommen.

Cites (2)