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Die Religion des Veda c6.s2.21

Die Religion des Veda c6.s2.21

Language
German

c6.s2.21

Untereinander hängen die Götter vielfach verwandtschaftlich zusammen, namentlich als Eltern und Kinder, denn die Unsterblichen sind keineswegs ungeboren: so ist Rudra der Vater der Maruts, Aditi die Mutter der Ādityas — Beziehungen, die wohl meist nachträglich dem Bilde der betreffenden Gottheiten angeheftet worden sind³). Die Götter werden als einander befreundet gedacht, wie es sich bei diesen Freunden der Menschen, denen allen Hinneigung zu Recht und Güte gemeinsam ist, von selbst versteht. „Alle Götter eines Herzens, eines Sinnes wandeln in einem Willen auf gerader Bahn“ (Ṛv. VI, 9, 5). Dieser allgemeine Einklang schließt natürlich spezielle Freundschaften zwischen einzelnen Göttern nicht aus. Anderseits kommen hier und da auch Reibungen vor: so scheucht Indra die Morgenröte fort und zerbricht ihren Wagen; er erzürnt sich mit den Maruts um Agastyas Opfer. Die einzelnen haben im Getriebe des Ganzen ihre freilich oft wenig fest abgegrenzten, leicht miteinander konkurrierenden oder verschwimmenden Obliegenheiten. Truppweise auftretende niedere Gottheiten bilden das Gefolge eines größeren Gottes. Besonders häufig aber erscheinen die Götter paarweise verbunden als gemeinsame Vollbringer derselben Taten und Empfänger derselben Opfer und Lobpreisungen. Es ist wahrscheinlich, daß dieser oft wiederholte, in der Poesie wie im Ritus fest ausgeprägte Typus des Götterpaares durch ein einzelnes solches Paar von Natur zusammengehöriger Gottheiten hervorgerufen ist, dem dann willkürlicher zusammengestellte Götterkombinationen nachgebildet wurden. Das Muster darf in Mitra-Varuṇa vermutet werden, dem im Ṛgveda hervortretendsten und am festesten verbundenen dieser Paare¹), für das ebenso sein hohes Alter spricht — es läßt sich in die indoiranische Zeit zurückverfolgen — wie sein wahrscheinlicher Zusammenhang mit den vornehmsten aller für ein solches Paar von Parallelgöttern in Frage kommenden Naturwesenheiten, mit Sonne und Mond. Die nachgebildeten Paare²) zeigen meist Indra in Verbindung mit einem anderen Gott, den man ehrt, indem man ihn in die Gemeinschaft des mächtigsten Gottes aufnimmt. Ein einziger Hymnus oder ein Hymnenkonglomerat ist dem Paar gewidmet, das dann in der jüngeren, die Spekulationen über das Opfer immer einseitiger hervorkehrenden Vedaliteratur zu besonderer Bedeutung gelangt, dem Paar von Agni und Soma, dem Opferfeuer und der vornehmsten Opfergabe, den beiden göttlichen Schutzpatronen des Opfers³).