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Die Religion des Veda c7.s1.119

Die Religion des Veda c7.s1.119

Language
German

c7.s1.119

Zur Tätigkeit Agnis im dämonenvertreibenden Zauberfeuer fügt sich der Segen, den das Haus- und Opferfeuer den Menschen spendet. Für die vedische Vorstellungswelt hebt sich, wie das ihr Charakter mit sich bringt, vor allem das Opferfeuer hervor, liegt Agnis vornehmste Bedeutung in seiner priesterlichen Würde, im Botendienst, den er zwischen Menschen und Göttern tut. Er bei dem „die Opfer zusammenkommen“, der Erwecker der Gebete, der Herbeiführer der Götter, mit ihnen auf der Opferstreu sich niederlassend, oder auch der zum Himmel aufsteigende Überbringer der Opfergaben wird in zahllosen Hymnen gefeiert, deren Dichter in ihm das göttliche Gegenbild des eigenen Standes, in seiner Macht die Macht der eigenen Opferkunst zu verherrlichen lieben. Bisweilen gefällt man sich darin, die Qualitäten und Verrichtungen der verschiedensten Opferpriester nacheinander Agni beizulegen; vorzugsweise aber wird ihm die Rolle des Hotar zugeteilt, des Priesters, dem die Rezitation der den Gott preisenden und zum Genuß einladenden Hymnen obliegt: wohl weil dieser Priester, der Inhaber der Poetenkunst und der die Götter gewinnenden Überredung, neben den das eigentliche Opferwerk verrichtenden sakrifikalen Handarbeitern als der vornehmere gegolten haben wird, zumal in seinen eigenen Augen; denn Hotarpriester führen ja vorzugsweise in der vedischen Dichtung das Wort. Dies Hervortreten des vergötterten Opferfeuers, des als mystischer Hotar gedachten Agni überall im Ṛgveda ist offenbar eine vergleichsweise junge Erscheinung, vielmehr eine Schöpfung des zunftmäßigen Priestertums als des Volksgeistes. In dieser Stellung des Opfergotts unter den Göttern bereiten sich die Ansprüche vor, welche die Opfererkaste auf den Vorrang unter den Menschen erhoben hat; das geheimniskrämerische Versteckspiel spitzfindiger Einfälle, das schon im Ṛgveda mit der Gestalt des göttlichen Brahminen getrieben wird, hat zur direkten Nachfolgerin die Opfersymbolik der jüngeren Ritualtexte mit ihrer ganzen unerschöpflichen Verschrobenheit.