Die Religion des Veda c7.s1.26
Die Religion des Veda c7.s1.26
- Language
- German
c7.s1.26
Im Ritual scheint sich auf den Zusammenhang von Sonne und Feuer neben einigen anderen Riten²) namentlich das morgendliche Feueropfer zu beziehen: um die Zeit des Sonnenaufgangs — ebenso dann auch um die des Untergangs — wurde das Opferfeuer³) angeschürt und Milch geopfert. Es darf vermutet werden — und außerindische Parallelen unterstützen die Vermutung — daß dieser Akt, der auf der einen Seite offenbar die regelmäßige, dem heiligen Feuer selbstverständlich zukommende Unterhaltung und Bedienung darstellt, anderseits zugleich wenigstens in alter Zeit ein der Sonne geltender Zauber gewesen ist. Indem man das Feuer entflammte, bewirkte oder förderte man den Aufgang der Sonne ¹). Vielleicht darf wenigstens eine Spur dieses Gedankens noch in den Sprüchen gesehen werden, welche die jüngeren Veden für jene morgendliche und abendliche Bedienung des Feuers vorschreiben: abends „Agni ist Licht, Licht ist Agni“; morgens „Sonne ist Licht, Licht ist Sonne“: eine Parallelisierung der beiden Lichtwesen, die wohl der Rest eines zwischen ihnen gedachten engeren, konkreteren Zusammenhangs sein kann. Sehr ausdrücklich sagt denn auch ein Brāhmaṇa ²): „Indem er morgens vor Sonnenaufgang opfert, bringt er ihn ³) zum Geborenwerden; zu Glanz werdend, leuchtend geht er auf. In Wahrheit würde er nicht aufgehen, wenn er nicht in ihm ⁴) diese Darbringung opferte.“ Für die ältere Zeit aber bezeugen Stellen des Ṛgveda ⁵) die gleiche Auffassung sehr ausdrücklich. So heißt es: „Laß uns Agni, o Gott, deine himmelhafte, ewig junge (Flamme) entfachen, damit dein wunderbarerer Brand ⁶) am Himmel leuchte.“ „Agni, du führtest das ewig junge Gestirn, die Sonne am Himmel empor, den Menschen Licht schaffend ¹).“ Die letztere Stelle scheint, wie so häufig geschieht, den täglich sich wiederholenden Vorgang in ein der Weltschöpfung zugehöriges Ereignis umzusetzen. Ähnlich ist denn auch der uns hier beschäftigende Vorstellungskreis in den später zu erörternden Mythus von Indras Sonnenerlangung eingefügt worden: wie die Angirasen den Felsen zerspalteten und ihre Stimme mit dem Gebrüll der Kühe vereinten, „da wurde die Sonne sichtbar, als Agni geboren war“ ²).
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit